Im Schatten der großen Platanen in unmittelbarer Nachbarschaft zu Rosengarten, Landgestüt und Rennwiese gab die Stadtführerin einen Einblick in die wechselvolle Stadtgeschichte:
Zweibrücken ist über etwa vier Jahrhunderte (bis 1793) Residenzhauptstadt des Herzogtums Pfalz-Zweibrücken, regiert von verschiedenen pfälzischen Linien des Hauses Wittelsbach. 1816 kommt es nach französischer Besetzung und österreichischen Zwischenspiel wieder in Wittelsbachs Hände, nun als Teil des Königreichs Bayern.
In politisch konfliktträchtigem Umfeld wird im Januar 1832 im Stadtteil Bubenhausen unter Federführung der Zeitungsherausgeber, Johann Georg August Wirth und Philipp Jakob Siebenpfeiffer, ein „Preß- und Vaterlandsverein“ zur Unterstützung der Pressefreiheit gegründet und der Entschluss zu einem „deutschen Nationalfest“ gefasst, welches dann als „Hambacher Fest“ (27.05.–01.06.1832) in die deutschen Geschichtsbücher eingeht. So wurde Zweibrücken zum Ausgangspunkt der deutschen Demokratiebewegung.
Die Reisegruppe folgte den wenigen historischen Spuren der Wittelsbacher Regierungszeit, denn die Stadt hat wenig historische Bausubstanz zu bieten, da sie noch im März 1945 zu ca. 80 % zerstört wurde.
Während der Regierung Christians IV. (1735-1775) erleben Stadt und Land eine Blütezeit: der weltoffene Monarch fördert Kunsthandwerk und Malerei, lässt die Schlossgärten umgestalten und erweitern, gründet ein Landgestüt von Rang und Namen, und nicht zuletzt entsteht vor den Toren der Stadt ein neuer Verwaltungsbezirk, die Herzogsvorstadt.
Dieses spätbarocke dreigeschossige Gebäudeensemble beherbergt danach Beamtenwohnungen und Verwaltungseinheiten. Heute ist es weiterhin städtischer Verwaltungsbezirk, u.a. mit Rathaus.Auf dem Weg zum Schloss liegt die imposante Alexanderkirche, Grablege vieler Mitglieder des Hauses Wittelsbach. Sie ist Ausdruck der reformatorischen Bewegung in der Pfalz: Denn die Wittelsbacher Herzöge schlossen sich schon früh und dauerhaft der Reformation an.
Am Ende der Führung erreichte die Gruppe das Wahrzeichen von Zweibrücken, den Schlossplatz mit Stadtschloss: Herzog Gustav Samuel Leopold ließ sich hier von 1720 bis 1725 eine neue repräsentative Residenz im nordisch geprägten Barockstil errichten. Heute befindet sich dort das pfälzische Oberlandesgericht.
Nach der Mittagspause traf sich die Gruppe am Rosengarten von Zweibrücken. Herr Hübscher, fachlicher Leiter des Rosengartens und Herr über alle großen Bäume im Stadtgebiet, verstand es, die Gruppe auf eine spannende und kurzweilige Reise durch die Welt der Rosen mitzunehmen. 45000 Rosenstöcke aus 1500 Sorten sind auf 4,5 Hektar versammelt. Der Zenit der ersten großen Blüte (Mitte bis Ende Juni) war bereits überschritten, und der erste Schnitt wurde gerade fällig. Die Hochzeit der zweiten Blüte sei erst wieder ab Mitte August bis Anfang September zu erwarten.
Stolz und entspannt kann der Rosenspezialist auf eine Gartenpflege verweisen, die ohne chemische Spritzmittel auskommt.
100 Jahre Leidenschaft für Rosen – so lautete 2014 das Motto zum Fest der Gründung des „Rosariums“ im Jahre 1914. Diese Begeisterung der Zweibrücker Vorfahren für ihre blühenden Privatgärten und ganz besonders für die „Königin der Blume“ lebt in dem Blumenparadies des Rosengartens sichtbar und lebendig weiter, heute nicht mehr nur ein gepflegter Schaugarten sondern auch Freizeit- und Erholungspark, in dem während der Saison zahlreiche kulturelle Veranstaltungen angeboten werden.
Die Begeisterung und Sachkunde des Vortragenden ließ die Zeit schnell vergehen. Zur Rosen-, Rhododendron- und Rasenpflege und vielen anderen Gartenthemen konnte jeder Gartenfreund für sich nützliche Hinweise mitnehmen.
Nach Rückkehr in Lützelsachsen zu früher Abendstunde traf man sich zum Ausklang des Tages im „Schmittberger Hof“.
Foto: Anlage, Quelle: J. Stausberg


