Lebendiger Geschichtsunterricht

- 08.08.2014 - 

Ausflug des Frauenvereins nach Metz

Aufgrund der Wetterprognosen schien der Ausflug nach Metz unter keinem guten Stern zu stehen. Aber trotzdem waren 45 Teilnehmer mit viel guter Laune, Wissensdurst sowie den Eisheiligen im Gepäck angereist, denn Metz, das architektonische Prunkstück Lothringens lud mit seinen herrlichen Baudenkmälern zu einem Streifzug durch die Geschichte ein. Damit wurde eine sehr gute Wahl getroffen und so kam auch die von Margot Gaber und Busfahrer Alois Baus geplante Fahrt erneut bestens an. Auf dem Rasthof Waldmohr bei Homburg/Saar wurde bei der Anfahrt eine Rast eingelegt, denn das Sektfrühstück war fällig. In Metz wurde die Gruppe auf der Place d'Armes von der  beredten Fremdenführerin Christiane Arno empfangen, die die Reisende mit ihrem profunden Wissen über die Geschichte von Metz geradezu überschüttete. Sie schilderte auch die historischen Zusammenhänge, so dass man viel Wissenswertes erfuhr. Das Provinzielle berührt in Metz weniger bedrückend als in anderen französischen Städten. Der Hauch von Freiheit und Bürgerstolz, den man bei der ausgedehnten Führung spürte, geht auf alte Zeiten zurück, als Metz seine Bischöfe entmachtet hatte und zur „Freien Reichsstadt“ aufgestiegen war. Ihre Bürger verdienten am europäischen Handel so üppig, dass sie den Herzögen von Lothringen, dem König von Frankreich, sogar dem Kaiser mit beträchtlichen Summen aushelfen konnten, wenn die Majestäten in Geldnot waren. Steingewordener Ausdruck dieses Selbstbewusstseins ist die von 1215 – 1522 erbaute mächtige Kathedrale Saint-Etienne, die einst zwei Kirchen in sich vereinte. Gewaltig das 42 Meter hohe Mittelschiff, das zu den höchsten Europas gehört. Als große Kostbarkeiten gelten die Kirchenfenster. Deren Glasmalereien vom 13. bis zum 20. Jahrhundert mit Werken von Hermann von Münster, Valentin Bousch und Marc Chagall auf 6500 Quadratmeter haben der Kathedrale den Namen „Laterne Gottes“ eingebracht. Überhaupt vermittelte Metz den Eindruck, dass die Spuren seiner Geschichte nicht als Denkmäler isoliert sind, sondern in das Leben integriert wurden. Das Bischofspalais aus dem 18. Jahrhundert dient heute als Markthalle. Oder der schöne Platz St. Louis mit seinen schmalen, hohen Patrizierhäusern aus dem 14. und 15. Jahrhundert, mit Zinnen und Renaissance-Balkonen geschmückt.

Hinter dem Laubengang der Häuserfront spielt sich modernes Geschäftsleben ab. Seine charmantesten Ansichten zeigte Metz von den Verbindungsbrücken über Mosel und Seille, zwischen Alt- und Neustadt. Hier eng zusammengerückte Häuser mit Blumenbalkonen – dort eine generöse klassizistische Platzanlage wie die Place de la Comédie mit dem prächtigen Theater.

Von 1871 bis 1918gehörte Metz zum Deutschen Reich nach der Reichsgründung in Versailles. Unter Kaiser Wilhelm II erhielten Bahnhof, Hauptpost und Umgebung ihr Neo-Gepräge mit Prachtbauten. Im Quartier „Imperial“ kommt man sich in manchen Straßen nicht zu unrecht ein bisschen vor wie im Berliner Westen durch die herrschaftlichen Häuser. Das schöne „Deutsche Tor“, ganz in der Nähen stammt aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Die Kultur in der 3000 Jahre alte Stadt symbolisieren auch Frankreichs älteste Kirche Pierre-aux-Nonnains (4. Jh.), Konzertsaal (altes Arsenal), Temple Neuf, das faszinierende moderne Kunstmuseum Centre Pompidou und insbesondere Parks und Grünanlagen, denn Metz ist stolze Trägerin des europäischen Preises für Stadtbegrünung. Zum geselligen Abschluss wurde im „Pfälzer Hof“ in Enkenbach-Alsenborn eingekehrt. Auf der Heimfahrt dankte Jutta Schmitt-Langer namens aller den beiden Organisatoren für den perfekt gelungenen Ausflug.

Evangelischer Frauenverein Lützelsachsen