Ökumenische Frauenfreizeit 2022
Unsere Wurzeln – unsere Kraft
Vom 08.-12. September 2022 fand unsere diesjährige Frauenfreizeit statt.
Es ging gleich turbulent los. Die Bahn streikte und wir mussten eine halbe Stunde früher als geplant am Bahnhof sein. Das hat einige Hektik verursacht und manche Morgentoilette rapide abgekürzt. Aber wir haben es geschafft. Gegen 15.30 Uhr waren wir in Prenzlau und wurden herzlich von unseren Gastgeberinnen begrüßt. Am Abend hielt Pfarrer Dietz die Begrüßungsandacht in der Malchower Kirche zu „Gott lieben, das ist die allerschönste Weisheit“ (Sir.1,10). Danach erwartete uns ein reichhaltiges und vielseitiges Buffet im Speicher des Malchower Labyrinthparks – und natürlich viele bekannte Gesichter. Es war ein fröhliches Wiedersehen. Freitag früh ging es dann per Bus nach Polen. An der Grenze stieg unser Reiseführer Bogdan (Bernhard) zu. Mit viel Humor und eigenen Wortschöpfungen lernten wir Stettin, die Halbinsel Wollin und das Ostseebad Swinemünde kennen. Wir erfuhren, dass die Seniorienen meist lose Besucher (Alleinreisende) sind und mussten sehr elastisch im Kopf sein. Unsere Ohrmuschelchen wurden oft auf eine harte Probe gestellt aufgrund des fröhlichen Gelächters. Stettin/ Szczecin, eine der grünsten Städte Polens liegt an der Oder. Hier befindet sich der drittgrößte Friedhof Europas, angelegt als Park. Es gibt drei staatliche Universitäten, unter anderem eine Universität für die Seefahrt. In der einzigen evangelischen Kirche arbeitete einst Dietrich Bonhoeffer. Die Halbinsel Wol(l)in war ehemals ein Bischofssitz. In der Nikolaikirche wurde Luthers Freund und Weggefährte Johannes Bugenhagen getauft. Swinemünde oder Swinoujscie ist schon seit 1824 ein viel besuchtes Ostseebad. 12 km Sandstrand, die prachtvolle Strandpromenade mit ihrer Bäderarchitektur sowie der bedeutende Hafen locken die Badegäste an.
Theodor Fontane wählte Swinemünde als Schauplatz für seine Effi Briest. Nach diesen und noch viel mehr Informationen hatten wir uns ein polnisches Mittagessen verdient mit Sauerbrotsuppe und Roulade in Backteig – sehr lecker. Nach einem Bummel über die Strandpromenade und dem ersten Fußbad in der Ostsee ging die Fahrt weiter nach Zinnowitz in unser Quartier im Haus St. Otto. Abends begaben wir uns gemeinsam auf die Suche nach unseren Wurzeln: Wer ist wo geboren bzw. aufgewachsen. Die Landkarte mit unseren Pins zeigte zwar Ballungen in der Uckermark und bei Lützelsachsen. Aber einige von uns haben Wurzeln über Deutschland verteilt, in Europa und der Welt. Es wurde viel gesungen und erzählt. Die Nacht war traditionell kurz. Samstagvormittag gingen wir mit dem Bibelvers „Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich“(Röm.11,18) daran, uns mit unseren eigenen Lebenswurzeln zu beschäftigen. Woraus schöpfe ich heute Kraft? Mit unseren Kraftspendern benannten wir die Wurzeln unseres persönlichen Baumes. In den anschließenden Kleingruppen ergaben sich daraus interessante, zum Teil sehr emotionale Gespräche. Auch die Geschichte „Der Landstreicher und der Baum“ forderte uns heraus zu überlegen, ob wir eher wurzeln oder ständig in Bewegung sind. Nach diesem Austausch tat ein Strandspaziergang oder ein Bad in der Ostsee gut. Manche zog es auf die Promenade oder die Seebrücke zu Eis oder Kuchen. Und auch hier ließ uns das Thema nicht los, denn der Weg zum Strand führte durch einen Nadelwald mit bizarren Wurzeln. Spätestens beim Spieleabend hatten die schweren Gedanken keine Chance mehr. Ob beim Wörter-Raten anhand der Anfangsbuchstaben der Darstellerinnen oder bei den Gedichten von Otto Reutter „Der Blusenkauf“ und „Der gewissenhafte Maurer“ – es wurde viel gelacht und gesungen. Höhepunkt des Abends war allerdings „Aschenputtel“ als verkürztes Rollenspiel mit verkleidetem Publikum – einfach köstlich – ok. Nach einer noch kürzeren Nacht feierten wir am Sonntag unseren Abschluss-Gottesdienst in der Kapelle von St. Otto. Mit der Geschichte vom kleinen Prinzen und der dreiblättrigen Blume nahm uns Gudrun Dietz mit auf eine Gedankenreise über die Kraft und Wichtigkeit unserer Wurzeln.Denn mit den Wurzeln tanken wir Lebenskraft – geschenkt von geliebten Menschen, durch tief empfundene Freude und durch unseren Glauben. Nur wer tief wurzelt, hat Halt im Leben und im Tod. Ein herzliches Dankeschön für die tolle Gestaltung unserer gemeinsamen Tage sagen wir Lützelsachsenerinnen und freuen uns schon auf unser Wiedersehen in 2023 – dann hier in Lützelsachsen. ro




