Stiftungsfest-Gottesdienst am 30.06.2013
- 09.08.2013 -
mit Kirchen- und Kinderchor sowie anschl. Empfang im Kirchgarten
Das 4. Stiftungsfest der Stiftung der Evangelischen Kirchengemeinde Lützelsachsen war auch in diesem Jahr ein schönes Erlebnis. Am Samstag hatte die Gemeinde zu einem Konzert im großen Saal des Gemeindezentrums des Gioco Quartetts eingeladen. Christiane Wojciechowski-Nack (1. Violine), Susanne Kemner (2. Violine), Gabi Ulatowski (Viola) und Hans Nasshan (Violoncello) nahmen die Zuhörer mit auf eine musikalische Weltreise. Herr Nasshan umrahmte die Stücke mit Hintergrundinformationen, die es dem Zuhörer leicht machten sich auf die Musik und die Komponisten einzustellen.
Begonnen wurde die Weltreise mit einem Quartett von Wolfgang Amadeus Mozart das dieser im „reifen“ Alter von 16 Jahren komponiert hatte. Die Reise führte weiter nach Russland wo die Zuhörer mit 2 Stücken der russischen Komponisten D. Shostakovitch - einer wunderschön traurigen Elegie gefolgt von einer skurrilen Polka begrüßt wurden. Von dort ging die Reise nach Norwegen zu dem zeitgenössischen Komponisten Sven Nyhus, Professor für Volksmusik in Oslo. Natürlich durfte auch ein Abstecher nach Italien nicht feheln: Puccini, eher ein für seine Opern bekannter Komponist zeigt sich mit dem Stück „Crisantemi“ von einer ganz anderen Seite zeigte. Zum Abschluss führten die Musiker ihre Zuhörer hinüber nach Amerika, wo uns sehr Ungewöhnliches erwartete: Ragtime Musik für Streicher. Dieser Vorläufer des Jazz gilt als Amerikas klassische Musik und seine Interpretation durch ein Streichquartett war ein besonderer Leckerbissen des Konzerts. Die Zuhörer waren begeistert und nach einem herzlichen Dankeschön an das Quartett seitens des Kirchengemeinderats und der Stiftung endete für die Besucher die kleine Weltreise des musikalischen Teils des Stiftungsfests mit einer mitreißenden Interpretation eines Tangos des argentinischen Komponisten Gardel.
Der Festgottesdienst am Sonntag wurde von Prälat Dr. Traugott Schächtele und Dekan i.R. Blöchle gehalten. Dr. Schächtele predigte über ein Gleichnis, das in Lukas 14, 25-33 steht und sich mit dem Bauen beschäftigt. Hier weis Dr. Schächtele auf die Parallelität zur Stiftung hin, die sich ja auch mit Bauen und Erhalten befasst. Wenn Jesus den Menschen klar machen wollte, wie die Welt funktioniert und wie Gott die Welt haben will, griff er häufig auf Beispiele aus dem Bereich der Wirtschaft zurück. Jesus als Immobilienberater. Einfach ist der Rat. Und lebenserprobt dazu. Wer bauen will, muss vorher einen Kassensturz machen. Muss genau prüfen, ob die Mittel ausreichen. Damit keine Bauruine übrig bleibt. Und damit der Bauherr nicht als Gespött seiner Mitmenschen endet.
So hätten es die Vorväter und Vormütter auch damals gemacht, so Dr. Schächtele, als sie den Bau dieser Kirche ins Auge fassten. 240 Jahre steht sie nun schon. Auch heute übernähmen Gemeindeglieder in diesem Sinn und trügen Sorge, dass auch morgen noch genügend finanzielle Mittel vorhanden sind. Für die Kirche. Und die Gemeinde überhaupt. Es gibt einen Gemeindebauverein und eine Stiftung, deren 4. Stiftungsjahr gefeiert heute gefiert werde. Doch es geht natürlich nicht nur um das Geld in dieser Bibelstelle – kluge Planung, nicht nur von Projekten, sondern auch um kluge Lebensplanung. Was traue ich mir zu im Leben? Was lasse ich mir etwas kosten? Wie stark bin ich wirklich, mich auf Gott einzulassen? Traue ich mir wirklich zu, mit diesem Jesus mitzugehen? Jesus legt die Kriterien offen, auf die es ankommt, wenn einer oder eine ihm nachfolgen will. Diese Hürde ist hoch - Gott die erste Priorität zukommen zu lassen und alles andere hintenan zustellen. So, wie es auch heute Menschen gibt, die das so praktizieren. Etwa Menschen, die sich für ein Leben in einer Kommunität entscheiden. Oder für ein Leben im Kloster. Oder ein Leben als Priester in der katholischen Kirche. Auch wenn das nicht unser aller Lebensentwurf werden muss, eine Aufgabe bleibt uns nicht erspart: Die Aufgabe zu entscheiden, wem wir Priorität zukommen lassen in unserem Leben. Die Frage, wer oder was im Zweifel Vorrang hat. Erfolg, Gewinn, Rechthabenwollen, die Durchsetzung eigner Interessen. Es geht vielmehr darum zu prüfen, ob es noch doch noch etwas anderes gibt. Den Einsatz für andere.
Manche Jugendliche tragen am Arm ein Bändchen, in das die Buchstaben „wwjd“ eingewoben sind. Wwjd – das steht für what would jesus do? Was würde Jesus tun? Aber die Frage hat schon ihr Recht, so Dr Schächtele. Was würde Jesus tun, wenn er sich heute für ein Leben unter uns entscheiden müsste? Wie würden unsere Kirchen auf ihn wirken? Wo würde er sich wohl fühlen? Was würde er uns ins Stammbuch schreiben? Welche Beispielgeschichten würde er uns erzählen? Wer mir nachfolgen will, der oder die prüfe, ob die Kräfte ausreichen, sagt Jesus. Verzicht auf Besitz. Verzicht auf Seilschaften. Verzicht auf Gefälligkeiten.
Die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes erfolgte durch den Kirchenchor und den Kinderchor.
Zum Abschluss des Gottesdienstes nahm der Stiftungsvorstand die Gelegenheit wahr, Herrn Friedrich Löffler zu seinem 80. Geburtstag zu gratulieren und ihm auch für sein Engagement nicht nur bei der Gründung der Stiftung und seine aktive Mitarbeit im Stiftungsrat, sondern auch für seine großzügige Zustiftung zu danken.
Dank des schönen Wetters ließen viele Gottesdienstbesucher das Festwochenende mit einem Sektempfang, sowie Kaffee und Kuchen im Pfarrgarten ausklingen. Stiftungsvorstand und Stiftungsrat hoffen, dass auch das 5. Stiftungsfest im nächsten Jahr ebenfalls wieder ein Erfolg wird.

