Gute Nerven und was wir erwarten
Andacht zum 28. März 2021

Quelle: Beate Preuss
Liebe Gemeinde!
Heute geht es um gute Nerven und darum, was wir erwarten. Jesus hat Nerven. Er geht doch tatsächlich nach Jerusalem. Er leiht sich zuerst eine Eselsstute samt Jungtier und reitet hinauf nach Jerusalem. Dorthin, wo ihn begeisterte Anhänger erwarten. Dort, wo ihm die Auseinandersetzung mit allen droht, die ihm kritisch und feindlich gegenüber stehen.
Die Bewohner und die Gäste Jerusalems haben ganz Unterschiedliches von Jesus erwartet. Die einen bejubeln ihn als neuen König, andere fürchten eine Revolution und Unruhen. Manche suchen seine Nähe, andere überlegen, wie sie ihn in eine Falle locken können. Vielleicht ist auch Jesus aufgeregt, mulmig und doch feierlich zumute, als er in Jerusalem einzieht. In die Stadt, in der der Tempel und der Thron stehen.
Was Jesus reitet, ist nicht die Frage. (Einen Esel.) Sondern, was ihn trägt und was ihm Kraft gibt, fragt sich. Das was seine Angst beruhigt und ihm Sicherheit gibt. Der Predigttext aus dem Hebräerbrief passt dazu haargenau. Im 11. und 12. Kapitel heißt es:
11,1 Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. 2 In diesem Glauben haben die Alten Gottes Zeugnis empfangen.
12,1 Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns umstrickt. Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, 2 und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes. 3 Gedenkt an den, der so viel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, dass ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst.
Der Hebräerbrief erreicht seine Leserinnen und Leser in einer schwierigen Situation. Sie sind bedrängt und müssen sich mit Einschränkungen arrangieren. Ende des 1. Jahrhunderts werden sie wegen ihres Glaubens angefeindet. Manche überlegen, ob sie sich vom Glauben an Christus lossagen. Die Luft raus.
Dagegen stellt der Hebräerbrief Jesus als den Hohepriester vor, der sich als vollkommener Priester selbst dahingegeben hat. Damit hat er ein für alle Mal Frieden zwischen Gott und Menschen gestiftet. Daran wird deutlich, dass Gottes Liebe bis in den letzten Winkel seiner Schöpfung reicht und er uns wohlwollend zugewandt ist.
Ganz leidenschaftlich wirbt der Hebräerbrief für das Vertrauen auf Gott. Er beschreibt es als feste Zuversicht und ein Festhalten an dem, was man hofft. Als Überzeugtsein, dass etwas wirklich werden kann, was wir noch nicht sehen.
Der Hebräerbrief nennt eine ganze Reihe von besonderen Glaubensvorbildern. Noah, Abraham und Sara, Isaak, Jakob, Esau und Mose hatten mit ihrem Vertrauen ein gutes Gegengewicht zu ihrer Zukunftsangst.
Diese Vorbilder gehören für den Hebräerbrief zu einer Wolke von Zeugen. Sie sind in Gottes Zeit und zu Gott zurückgekehrt. Doch ihre Zuversicht und ihr starkes Vertrauen umgibt uns wie pure Lebensenergie. Wir sollen wie sie fröhlich und wohlgemut auf Gott vertrauen, auch wenn die Nerven blank liegen, wenn das Warten unerträglich wird, wenn die Einsamkeit zum Himmel schreit, wenn sich bei uns eine depressive Stimmung breit macht und manche nicht mehr wissen, was sie erwarten.
Es gehört zur christlichen Lebenskunst, in solchen Situationen an Jesus zu denken, der wie Abraham, Isaak und Jakob mit Herz und Verstand gelebt hat. Als Superstar des Glaubens hat er sogar das Kreuz erduldet und sitzt nun auf dem Ehrenplatz bei Gott.
So stell ich mir die Kraftquelle vor, die Jesus im Herzen hat und die ihn nach Jerusalem trägt. Das Vertrauen, dass sich Dinge zum Guten wenden können und Gott es selbst durch tiefschwarze Tage hindurch richten kann.
Dazu passt der Vers aus Heb 11,6: „Wer zu Gott kommen will, der muss glauben, dass er ist / und dass er denen, die ihn suchen, ihren Lohn gibt.“
Das schreibt der Hebräerbrief, damit wir nicht matt werden und den Mut sinken lassen (Heb 12,3).
Amen.
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Quelle: Jan Rohland

