Ökumenische Passionsandacht

Mittwoch, 31. März 2021

Durch Corona ist vieles anders, doch manches Vertraute wollen wir trotzdem anbieten. In der diesjährigen Karwoche laden wir Sie wieder zu einem ökumenischen Kreuzweg ein. Sie werden Bilder des Kreuzweges der Christ-König-Kirche Großsachsen sehen und auch Fotos aus Lützelsachsen. Wir wollen eine Verbindung schaffen zwischen Orten unseres Alltags und den Szenen des biblischen Kreuzweges. Von Doris Rosenzweig Gräfing von Keyserlingk und Christiane Bylitza

Quelle: Doris Rosenzweig Gräfin von Keyserlingk

Lied: EG 81 Herzliebster Jesu

1) Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen,
dass man ein solch scharf Urteil hat gesprochen?
Was ist die Schuld, in was für Missetaten
bist du geraten?

Quelle: Bettina Schirpf

Aus dem Neuen Testament - übertragen von Jörg Zink

Matthäus Kapitel 27, Vers 32
Als sie die Stadt verließen, trafen sie auf einen Mann aus Cyrene, der Simon hieß. Den zwangen sie, den Kreuzbalken für Jesus hinauszutragen.

Quelle: ekilue

Da haben die römischen Soldaten dem Simon einen gehörigen Strich durch die Rechnung gemacht. Wahrscheinlich kam er gerade müde und hungrig von seiner Arbeit und hat sich auf seinen Feierabend gefreut. Ja und jetzt das.
Auch uns wurde ein gehöriger Strich durch die Rechnung gemacht. Dies haben wir einem Virus zu verdanken, das die ganze Welt lahmgelegt hat. All unsere Pläne mussten wir verschieben oder gar ganz begraben. Wir mussten für unseren Alltag neue Strategien finden und uns an neue Regeln halten.
Und Jeder hatte und hat im übertragenen Sinne sein eigenes Kreuz zu tragen. Da sind die Bewohner von Altenheimen und Behinderteneinrichtungen, die unter Einsamkeit und Isolation leiden, Eltern, die an die Grenze Ihrer Möglichkeiten stoßen, Jugendliche und Kinder, die sich nicht treffen können, Menschen, die Angst um ihren Arbeitsplatz haben oder gar um ihre Existenz.
Aber es hat auch etwas Positives bewirkt. Obwohl wir räumlich Abstand wahren müssen, sind wir uns nähergekommen. Viele Menschen haben das Gefühl der Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe wiederentdeckt. Sie haben wieder gelernt, nicht nur auf die eigenen Belange , sondern auch auf die ihrer Mitmenschen zu schauen. Das zeigt sich in vielen kleinen Dingen. Nachbarn kümmern sich umeinander, indem sie füreinander einkaufen oder andere Dinge erledigen , Musiker spielen zur Freude der Bewohner vor Heimen. Menschen beten füreinander. Und es gibt so viele andere Beispiele. Aber das Wichtigste dabei ist:
Einer trage des Anderen Last. Und das ganz ohne Zwang.
 

Quelle: Doris Rosenzweig Gräfin von Keyserlingk

 

Lied: EG 81 Herzliebster Jesu

2) Du wirst gegeißelt und mit Dorn gekrönet,
ins Angesicht geschlagen und verhöhnet,
du wirst mit Essig und mit Gall getränket,
ans Kreuz gehenket.

Quelle: Bettina Schirpf

Aus dem Neuen Testament - übertragen von Jörg Zink
Matthäus Ev., Kapitel 27, ab Vers 39 - 43

Die Leute, die aber dort vorbeigingen, verspotteten ihn und schüttelten ihre Köpfe und riefen: „Bist du der, der den Tempel abreißen und in drei Tagen wieder aufbauen wollte? Hilf dir selber, wenn du Gottes Sohn bist und steig herab vom Kreuz!“
Auch die Priester verlachten ihn, die Schriftgelehrten und die Ältesten: “Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen! Er ist doch der König Israels! Er soll vom Kreuz herabsteigen, dann wollen wir an ihn glauben! Er hat sich auf Gott verlassen, der soll ihn befreien, wenn er ihn liebt“

Quelle: ekilue

Da stellt sich doch unweigerlich die Frage, warum hat Gott seinen Sohn
so leiden lassen? Was ist das für ein Vater, der seinem Kind so etwas antut.
Gott hätte das doch auch anders regeln können. Er wäre doch in der Lage gewesen etwas Spektakuläres zu vollbringen, das dieser sensationsgierigen Menge den Atem hätte stocken lassen. Sie wären doch dann wie Wachs in seinen Händen gewesen. Aber nein, Gott hat einen anderen Plan.
Gott hat seinen Sohn Mensch werden lassen, um uns zu zeigen, wie sehr er uns Menschen liebt und dies mit all unseren Fehlern und Verfehlungen. Seine Liebe zu uns ist so groß, dass er das Liebste, was er hat, für uns sterben lässt.
Und Jesus nimmt dieses Schicksal an. Es gibt zwar Momente, in denen er Angst hat und sich verlassen fühlt. Eine ganz normale, menschliche Reaktion. Er weiß, dass es kein Zurück oder einen anderen Weg gibt. Aber er weiß auch, dass der Tod nicht das Ende ist. Die Menschenmenge damals unter dem Kreuz wusste dies nicht. Jedenfalls zu dem Zeitpunkt noch nicht. Wir aber wissen, dass diese Geschichte sozusagen ein „Happy End“ hat.
Gott wird den Tod für immer auslöschen und von jedem Gesicht die Tränen abwischen.

Quelle: Doris Rosenzweig Gräfin von Keyserlingk

Evangeliumstext Matth. 27
45 Von der sechsten Stunde an kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde. 46 Und um die neunte Stunde schrie Jesus laut: Eli, Eli, lama asabtani? Das heißt:
Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
47 Einige aber, die da standen, als sie das hörten, sprachen sie: Der ruft nach Elia. 48 Und sogleich lief einer von ihnen, nahm einen Schwamm und füllte ihn mit
Essig und steckte ihn auf ein Rohr und gab ihm zu trinken. 49 Die andern aber sprachen: Halt, lasst uns sehen, ob Elia komme und ihm helfe! 50 Aber Jesus schrie abermals laut und verschied.

Lied: EG 190 2
Christe, du Lamm Gottes,
der du trägst die Sünd der Welt,
erbarm dich unser.

Quelle: Bettina Schirpf

Jesus wusste, dass es schlimm endet. Er hatte auch Angst. Aber er hatte eine Gewissheit:
Sein Tod ist nicht umsonst, er wird sterben, um zu leben.
In unserer Zeit ist der Tod aus dem Fokus gerückt. Ja, fast wird vermittelt, wer stirbt, ist selbst schuld: Hat nicht gesund genug gelebt, zu wenig Sport getrieben, war nicht bei der Krebsvorsorge oder sonst irgendwie nachlässig.
Dass der Tod zum Leben dazu gehört, wird dabei übersehen. Schließlich gibt es immer einen Gegenpol. Ohne Traurigkeit zu kennen, könnten wir keine Freude empfinden, erst Empathie macht es möglich, dass wir einander helfen und barmherzig sind. Und so macht erst das Wissen um die eigene Vergänglichkeit das Leben so wertvoll.
Heute in Corona-Zeiten wird uns das plötzlich wieder gegenwärtig. Vorbei die Zeit, in der wir den Tod ignorieren konnten – jeden kann es treffen, jederzeit. Das wird uns durch die harten Einschränkungen der Freiheit bewusst. Das können wir Angesichts der Todeszahlen, die jeden Tag in jeden Nachrichten erwähnt werden einfach nicht mehr ausblenden. Plötzlich wird eine Gefahr für unser Leben sichtbar, bedroht uns ganz konkret jeden Tag.
Ich habe mich immer über Erzählungen aus der Kriegszeit gewundert, bei denen oft Solidarität und Hilfsbereitschaft eine Rolle spielte. „Wir hatten selber nichts und haben mit dem wenigen, was wir hatten noch andere unterstützt.“ Als jemand, der Jahrzehnte nach Kriegsende in eine neue Zeit geboren wurde, erschien mir das immer unverständlich: Ich hätte angenommen, dass die Hilfsbereitschaft abnimmt, wenn die eigenen Nöte so groß sind. Doch oft war das Gegenteil der Fall. Je schlechter die Menschen dran waren, umso größer schien die Bereitschaft zu sein, andere in Ihrer Not zu unterstützen. Das hat mich immer sehr beeindruckt.
Heute wird oft davon gesprochen, dass die Solidarität in der Gesellschaft zerbricht. Die Schere zu weit aufgeht, zwischen denen, die viel haben und denen, die sich nur das Nötigste leisten können. Vielleicht kann da dieses neue Bewusstsein um die Vergänglichkeit des Lebens helfen.
Dadurch, dass der Tod wieder näher rückt, können wir uns nicht verstecken – hinter Alltagsproblemen. Wir sind gezwungen, uns zu fokussieren; auf die Essenz des Lebens; auf das, was einem am wichtigsten ist. Das lässt uns bewusst werden, wie wertvoll und besonders unser Leben ist.

Lied: EG 190,2
Christe, du Lamm Gottes,
der du trägst die Sünd der Welt,
gib uns deinen Frieden.

Quelle: Bettina Schirpf

Sendung und Segen

Richte Dich auf und blick zum Himmel!
Du bist ein angesehener Mensch, du bist geliebt.
Gott begleitet Dich auf den Wegen, die vor Dir liegen.
Brich auf – wie die Knospen des Frühlings es Dir vor machen.
Sei ein nachösterlicher Mensch,
weil Du weißt Auferstehung ist mitten im Leben möglich.
Diese Gewissheit sei Dir ins Herz eingeplanzt.
Auferstehung im Leben, mitten im Alltag,
kann immer wieder geschehen;
auf kurzen und auf langen Wegen.
Sei gewiss:
Gott geht jeden Schritt mit Dir.
Gott steht an Deiner Seite.
Gott hält Dich in seiner Liebe.
Geh, brich auf, innerlich und äußerlich.
Schenke Gottes Liebe weiter und gehe an der Seite von Menschen,
die dich brauchen.
Gott schenke Dir ein hörendes Ohr und ein weites Herz.
Gottes Segen, auf Dich, damit Du für dich selbst und andere
Zum Segen wirst.
Gehe in Frieden.