Ökumenische Passionsandacht

Dienstag, 30. März 2021

Quelle: ekilue

Lied: Von guten Mächten wunderbar geborgen 

Quelle: Bettina Schirpf


("Von guten Mächten": Text: Dietrich Bonhoeffer (1944) 1945/1951, Melodie: Siegfried Fietz, Copyright und mit freundlicher Genehmigung, Abakus Musik, Greifenstein)
 
Gott, wir haben Angst vor dem, was wir nicht kennen und was unsere Gemeinschaft gefährdet.
Wir halten zusammen, wenn wir uns oft auch fremd sind.
Wir achten aufeinander und entscheiden was wirklich wichtig ist.
Wir sind uns nah, auch ohne uns die Hände zu reichen.
Wir können lachen und doch trauern um die Kranken und Sterbenden.
Wir Handeln und Sorgen uns zum Wohl für uns alle.
So ist im Schlimmen auch Dein Segen.
Dafür danken wir dir Gott.
Amen.
 
Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern

Quelle: ekilue

Im Johannes Evangelium Kap 19 Vers 13 -17 lesen wir:
„Als Pilatus diese Worte hörte, führte er Jesus heraus und setzte sich auf den Richterstuhl an der Stätte, die da heißt Steinpflaster, auf Hebräisch Gabbata. Es war aber am Rüsttag für das Passafest um die sechste Stunde. Und er spricht zu den Juden: Seht, das ist euer König! Sie schrien aber: Weg, weg mit dem! Kreuzige ihn! Spricht Pilatus zu ihnen: Soll ich euren König kreuzigen? Die Hohenpriester antworteten: Wir haben keinen König als den Kaiser.
Da überantwortete er ihnen Jesus, dass er gekreuzigt würde. Sie nahmen ihn aber und er trug sein Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf Hebräisch Golgatha.“
 

Quelle: ekilue

 
Meditation
Jesus nimmt die Last des Kreuzes auf sich. Das Kreuz führt uns vor Augen wie elend es auf der Welt zugehen kann. Auch bei uns tragen viele Menschen besondere Lasten.
Menschen sorgen sich um ihre berufliche Existenz – seit Wochen keine Arbeit, für viele bedeutet dies auch kein Einkommen. Wann werden zum Beispiel die Rolläden in den vielen Lokalen wieder hochgehen und die kleine Terrassen bewirtschaftet sein? Treue Kunden beweisen ihre Solidarität indem sie Essen to go bestellen und so das Durchhalten der Wirte unterstützen.
Aber auch Geselligkeit und liebgewordene Alltäglichkeiten sich nicht mehr selbstverständlich. Seit Monaten dürfen wir von kurzen Unterbrechungen abgesehen nur eine weitere Person in unseren Wohnungen willkommen heißen.
Für viele Menschen bedeutet Corona Erkrankung, Quarantäne und manchmal sogar der Tod.
Für Pflegende bedeutet Corona: Einsatz bis zum Letzten – Erschöpfung.
Für Eltern bedeutet Corona: Homeoffice, homeschooling der Kinder, Besuch im Altenheim bei den Eltern nur nach Schnelltest und mit Maske möglich.
Das Kreuz ist auch ein Appell an die Bereitschaft zur Humanisierung und Solidarität im Anblick einer solchen Bedrohung.
 

Lied GL 361: Befiehl du deine Wege

Quelle: Bettina Schirpf


Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt,
der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt!
Der Wolken, Luft und Winden, gibt Wege, Lauf und Bahn,
der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.

Dem Herren mußt du trauen, wenn dir's soll wohlergehn;
Auf sein Werk mußt du schauen, wenn dein Werk soll bestehn.
Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein
läßt Gott sich gar nichts nehmen: Es muß erbeten sein.

Mit dem radikalen Aufruf „Befiehl’ du deine Wege!“ der auf Psalm 37,5 beruht ermutigt uns der Verfasser des Textes P. Gerhardt bei ausweglos erscheinenden Situationen nicht wie eine Salzsäule zu erstarren. Er soll uns helfen inmitten der Krise den Abstand zu bekommen, der wichtig ist um handlungsfähig zu bleiben. Er soll uns helfen zu erkennen, dass wir nicht alleine sind, sondern dass da noch jemand anderes ist und dass er selbst, dieser manchmal so rätselhafte Gott uns zur Seite steht.

Auf YouTube können Sie in einem Videoprojekt Musiker aus aller Welt erleben, die gemeinsam anlässlich des Bachfest Malaysia 2020 den Bachchoral aufführen – einzeln aber doch zusammen. Sie wollten damit bereits im letzten Jahr Menschen weltweit in der Coronakriste ermutigen.

 
Jesus und die weinenden Frauen

Quelle: ekilue

Im Lukas- Evangelium, Kapitel 23, Verse 27 – 31 steht:
„Es folgte eine große Menschenmenge, darunter auch Frauen, die um ihn klagten und weinten. Jesus wandte sich zu ihnen um und sagte: Ihr Frauen von Jerusalem, weint nicht über mich; weint über euch und eure Kinder! Denn es kommen Tage, da wird man sagen: Wohl den Frauen, die unfruchtbar sind, die nicht geboren und nicht gestillt haben. Dann wird man zu den Bergen sagen: Fallt auf uns! und zu den Hügeln: Deckt uns zu! Denn wenn das mit dem grünen Holz geschieht, was wird dann erst mit dem dürren werden?“

Jesus tröstet die Frauen nicht. Er ermahnt sie, nicht um ihn zu weinen, sondern um sich selbst und um ihre Kinder.
Jesus macht deutlich, dass es mit Mitleid alleine nicht getan ist. Auch wenn wir bei fremdem Leid Betroffenheit fühlen, wird sich nichts daran ändern, wenn wir uns nicht verändern.
Jesus lenkt den Blick der Frauen und damit auch unseren Blick auf uns selbst und unser Leben. Mitleid empfinden ist nicht immer wirkliches Mitleiden, das unser Inneres verändert.
 

Quelle: ekilue

 

Auch in der heutigen Zeit sind viele Menschen auf sich selbst gestellt. Kontaktbeschränkungen und Abstand halten bedeutet in vielen Fällen auch Einsamkeit. Nichts ist mehr, wie wir es gewohnt sind. Die sonntäglichen Gottesdienste mit vielfältigen Impulsen, Gesprächen und menschlichem Kontakt entfallen und bringen uns aus dem Gleichgewicht.
Jesus trägt uns hindurch, auch durch seinen Tod am Kreuz. Er zeigt uns Perspektiven und kann heil machen, was wir nicht heilen können.

Johannes Heermann hat dies in seinem Lied sehr gut in Worte gefasst. Es sind die Strophen 3 und 4 des Liedes Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen. Geschrieben hat er es 1630 in der Zeit des dreißigjährigen Krieges, gezeichnet von Krankheit, die es ihm nicht ermöglichte zu predigen. So schrieb er Verse und Gedichte für seine Gemeinde, die dann im Gottesdienst vorgelesen wurden.

Herzliebster Jesu EG 81,3 und 4

Quelle: Bettina Schirpf


3 Was ist doch wohl die Ursach solcher Plagen?
Ach! meine Sünden haben dich geschlagen!
Ich, o Herr Jesu! hab dies wohl verschuldet,
was du erduldet!

4 Wie wunderbarlich ist doch diese Strafe!
Der gute Hirte leidet für die Schafe;
die Schuld bezahlt der Herre, der Gerechte,
für seine Knechte!

Meditation zum Lied
Jesus wirft uns nicht auf uns selbst zurück und schickt uns nicht in die Einsamkeit.
Jesus wendet sich mit seinem Opfer uns zu.

Er fordert die Frauen auf, ihre Situation in den Blick zu nehmen und aus dem veränderten Blickwinkel wieder ihr Leben neu zu gestalten.
Er fordert auch uns dazu auf, uns den Veränderungen zu stellen und uns neu auf sie einzulassen.
Durch sein Opfer sind wir nicht allein.
Auch wir bringen in dieser Corona-Zeit Opfer. Wir nehmen uns zurück, halten Abstand und bleiben, wenn möglich zu Hause, damit wieder Kontakte möglich werden und die Normalität zurückkommt.

Fürbitte
Herr Jesus Christus,
jetzt, in der Passionszeit, denken wir immer wieder an den schweren Weg, den du für uns gegangen bist. Du wusstest, was dich in Jerusalem erwartet. Aber du bist dem Leid, den Schmerzen und am Ende dem Tod am Kreuz nicht ausgewichen.
Du bist diesen schweren Weg nach Golgatha für uns Menschen gegangen und hast die Schuld der Welt getragen. Dazu gehört auch unsere persönliche Schuld. Alle Lasten der Menschheit hast Du auf Dich genommen, um uns Menschen zu erlösen.
Wir bitten Dich für die Menschen, die sich durch Corona allein gelassen fühlen.
Gib Du ihnen Kraft, die Situation anzunehmen und trage sie durch die Einsamkeit.
Wir bitten Dich für die Menschen, die sich nicht mehr auf die Straße trauen, aus Sorge um ihre Gesundheit und die Gesundheit ihrer Lieben.
Gib ihnen Menschen, die sie unterstützen und versorgen.
Wir bitten Dich für die Menschen, die nicht zum Gottesdienst kommen können.
Gib Du ihnen die Möglichkeit, Dein Wort auch zu Hause zu hören und Gemeinschaft mit Dir zu haben
Herr, du kannst all die Menschen verstehen, die Leid ertragen müssen, weil du selbst das Leid dieser Welt aushalten musstest.
Wir bitten dich, lass jeden von uns ganz persönlich gewiss sein, dass wir von Dir getragen sind.

Vater unser ...

Segen

Gott sei vor dir, wenn du den Weg nicht weißt.
Gott sei neben dir, wenn du unsicher bist.
Gott sei über dir, wenn du Schutz brauchst.
Gott sei in dir, wenn du dich fürchtest.
Gott sei um dich wie ein Mantel, der dich wärmt und umhüllt.