Liebe Gemeinde!
Der Sonntag Laetare gilt als das kleine Osterfest. Seine liturgische Farbe ist Rosa. Denn mitten in das Violett der Passionszeit mischt sich mit dem österlichen Weiß die Freude.
Jesus selbst kommt zu Wort, wie es Johannes aufgeschrieben hat. Mit dem Bild vom Weizenkorn kündigt Jesus sein Leiden und seinen Tod an. Und darüber hinaus weist er auf das hin, was kommt.
Und das wird nicht Heulen und Zähneklappern sein. Sondern der Menschensohn wird verherrlicht werden. So steht es bei Johannes. Und das ist sicher eine Perspektive, die erst nach Ostern verständlich wird. Und die erst dann, wenn alles durchgestanden ist, voll und ganz tröstet. Nachdem die Tränen getrocknet, die Klagen verhallt und die Ratlosigkeit in Freude verwandelt ist.
Heute kommen wir das erste Mal wieder auf verschiedene Weise zusammen – am Computer und hier in der Kirche. Wir wissen nicht, wie lange wir so Gottesdienst feiern können. Ob wir mit den wohltuenden Lockerungen in ein neues rasantes Wachstum hineinlaufen und dann noch einmal im kleinsten Kreis Ostern feiern.
Es bleibt das Dilemma, dass wir nicht einfach so leben können, als gäbe es das Virus nicht. Und genauso würden wir Schaden nehmen, wenn wir uns völlig isolieren und leblos stellen. Und so heißt es weiter: Anders leben, durchwursteln, danach suchen, was Lebenskraft erhält, – und die Lichtblicke genießen. Denn Leben kann man sich nicht aufbewahren.
Das heißt: Wir leben auch jetzt. Selbst, wenn sich das nicht immer so anfühlt. Doch jetzt im Märzen, wenn der Bauer die Rösslein einspannt, und mit dem Traktor den Acker bestellt, können wir das begraben, was sonst keine Frucht bringen würde. Und wir können nach Leben suchen – wenn etwas zu Ende geht, aber nicht einfach vorbei ist, sondern eine Verwandlung geschieht. Wir können auf die grünen Halme achten und auf die Frühlingsblüten.
Wie ein Korn ein Korn bleibt, wenn es nicht in die Erde fällt, so geht es auch Jesus ums Keimen und Wachsen, ums Blühen und Frucht bringen. Er deutet seinen Tod als Gabe, um Leben zu ermöglichen. Er vergleicht sein Leben mit Brot, das Hunger stillen soll. Hunger nach Leben, Hunger nach Gerechtigkeit und Frieden.
So ist nicht das gebrochene Brot das Ende, sondern weist auf das Ziel hin, dass durch das geteilte Brot Leben bewahrt und erhalten wird. Dass die Frucht, die das Weizenkorn bringt, ein herrlicher Gewinn ist für alle Menschen. Ein gutes Leben für alle Menschen – dafür sollen wir uns einsetzen. Dazu schenke uns Gott seinen Segen.
Amen.


