Mit frischem Mut

Andacht zum 7. Februar 2021

Kirche Lützelsachsen Altar

Quelle: Beate Preuss

Liebe Gemeinde!

Es geht ums Hören und Verstehen. Das macht Jesus deutlich. Er erzählt ein Gleichnis von einem Sämann. Und der streut mit frischem Mut seinen Samen aus. Dabei bedenkt er jedes Stück Land.

Schon da wird deutlich: das ist kein Bauer. Ein Landwirt würde seinen kostbaren Samen nur dort ausstreuen, wo er guten Ertrag erwartet. Auf schlechterem Boden würde er vielleicht einfach Gras wachsen lassen für seine Tiere.

Auch wenn es heute keine Sämänner und Frauen mehr gibt und das bei uns heute Maschinen machen, ist trotzdem zu erahnen, was Jesus damit sagen will.

Der Sämann aus dem Gleichnis ist nicht von dieser Welt und steht doch mit beiden Beinen fest auf dem Boden. Er geht freigiebig damit um und berechnet nicht, wo es mehr Aussicht auf Erfolg gibt. Er schaut nicht prüfend über den Acker, sorgt sich nicht um Dornen und Vögel, sondern schöpft frisch und fromm aus dem Vollen. Unerschrocken wirft er um sich. Und sein großzügiges Säen bringt ihm reichlich Ernte.

Jesus verteilt Gottes Worte wie der Sämann die Saatkörner. Er berechnet nicht, bei wem sein Wort besonders gut wirkt. Alle Menschen bedenkt er mit seinen offen ehrlichen, mahnenden, erlösenden und vergebenden Worten. Wie Samen fallen seine Worte auf seine Jünger und auf diejenigen, die vielleicht noch seine Jüngerinnen werden. Manche sind für die Katz. Andere sind Nahrung und werden gefressen. Manche treffen im Verborgenen, andere vor aller Augen. Viele sinken in die Herzen ein und einige gehen erst viel später auf und bringen Frucht. So haben Menschen mit frischem Lebensmut ein neues Leben angefangen.

Wenn Gott spricht, dann beginnt Kraft zu fließen. So beschreibt es die Bibel von Anfang an. Himmel und Erde hat er durch sein Wort geschaffen, den Lebewesen seinen Atem eingehaucht. Er sorgt für das Gleichgewicht von Regen und Sonne, er lässt die Sonne aufgehen über Böse und Gute und erfüllt die Erde mit Wachstum und guten Früchten. Denn das Leben soll nicht verlöschen und Gerechtigkeit soll zwischen den Menschen herrschen. Gott hat uns Menschen das Herz geschaffen und fiebert mit uns mit, was von seinem Wort wächst – in uns und über uns hinaus.

Nach fast einem Jahr Pandemie leben wir in den Wochen der Klausur vom Eingemachten, von Erinnerungen, von Fotos und von Freundschaften. Und ich hab das Gefühl: Es geht nicht einfach nur darum weiter durchzuhalten. Denn durch die wenigen direkten Kontakte haben wir zu vielen Kraftquellen keinen Zugang.

Auf ganz anderer Ebene gilt das für unsere Kirche. Die Kirchensteuern brechen durch Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit ein. Noch kann unsere Landeskirche das auffangen. Doch weitere Zuschusskürzungen für Gebäude und Stellenkürzungen werden vermutlich schon bald diskutiert.

Das Gleichnis vom Sämann spricht übrigens auch beim Gemeindeaufbau für das viel gescholtene Gießkannenprinzip. Das heißt nicht, dass ohne Sinn und Verstand Geld ausgegeben wird. Aber Gemeinden sollten auch in Zukunft nicht danach taxiert werden, wieviel Wachstumspotential sie haben.

In einem grauen und bei uns milden Februar schauen wir in unsere Hände. Und wir können versuchen zu sehen, welche kostbare Saat in unseren Händen liegt, welche komprimierte Lebenskraft wir geschenkt bekommen.

Jetzt helfen keine leeren und müden Parolen, keine schnell dahingesagten Worte. Und wir brauchen nicht danach fragen: Bin ich felsiger Boden oder hab ich Dornen auf dem Acker? Denn das Saatgut geht nicht überall auf.

Was wir brauchen, das ist der Blick für die Dinge, die wir im Vorrat haben. Sie sind wie Samen gut eingepackt. Wenn unsere Eltern mit uns als Kindern in der Badewanne Piratenlieder gesungen haben, dann können wir anderen mit diesen Liedern das Herz stärken. Von der reichen Apfelernte können wir anderen etwas schenken. Die Frau, die froh davon erzählt, dass sie ihren Kindern per Videoanruf nahe sein kann, kann uns berühren und Mut machen.

Neben dem Blick für die kostbaren Dinge brauchen wir vielleicht sogar die Frucht des Scheiterns, um den hundertfachen Ertrag zu gewinnen. Wenn wir dagegen aus Sorge um den Ertrag und aus Angst vor dem Scheitern nichts von unserer Hoffnung weitergeben würden, dann wäre halb versucht auch halb gewonnen. Wer nicht Glauben wagt, der nicht gewinnt.

Wenn ich mir diesen Sämann oder diese Frau auf dem Acker vorstelle. Dann finde ich wichtig, dass Gottes Wort kein Wundermittel ist, das allen Umständen trotzt. Es ist aber so stark, dass es auf einem kleinen Stück Erde reiche Frucht bringt. Wichtig ist auch die Kraft des Herzens, mit der dieser Mensch auf dem Boden steht. Er oder sie geht über die Erde und berechnet nicht, was von dem zurückkommt, was er verschenkt. Sie vertraut darauf, dass genug wachsen wird. Das gibt ihr Kraft. Das macht Sinn.

Wenn wir heute über Gott und die Welt nachdenken, dann erkennen wir womöglich, wie viel Gutes uns geschenkt ist, was sonst als selbstverständlich durchgeht. Und uns kommen vielleicht andere in den Sinn, denen wir etwas davon schenken können: ein ehrliches und offenes Wort, tröstende Worte, ermutigende Gesten.

Amen.

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