Tochter Zion, freue dich!

Andacht zum 3. Advent

Kirche Lützelsachsen Altar

Quelle: Beate Preuss

Es gibt Lieder, die haben einen wundervollen, gehaltvollen Text. Und es gibt Lieder, da ist der Text fast egal, weil die Melodie so faszinierend ist. Dazu gehört das heutige Lied. Wir müssen auch nicht achtgeben, dass es kein Ohrwurm wird: Majestätisch-festlich und punktiert beginnt es in strahlendem Dur. Dann folgen aufsteigend freudige Achtelnoten, die mit dem „laut“ im hohen Ton „es“ gipfeln.

Der Mittelteil der Melodie ist verhaltener, wendet sich quasi nach innen, bevor die Spannung im Melodiebogen dann wieder steigt und zur Anfangsmelodie zurückkehrt. Diese tolle Melodie stammt von dem deutsch-englischen Komponisten G.F. Händel. Er hat sie zuerst für sein Oratorium „Joshua“ kreiert und sie auch in sein anderes Werk „Judas Maccabäus“ eingebaut.

Zum Einzelnen: Von welchem König wird gesprochen? Von einem, der allen üblichen Königs-Klischees nicht entspricht: Er reitet auf einem Esel, ist mild, ein Friedefürst, dem es um das ewige Reich geht, ein Reich ohne Sieggeschrei und Waffengeklirr. Die Worte schmieden in musikalischer Weise die Schwerter um: zu fröhlich-friedlichen, christlichen Pflugscharen. Sie stehen im Dienst des gewaltfreien Davidsohnes! (Das Lied könnte auch zum Palmsonntag passen! Da jubelt Jerusalem auch dem milden König zu.)

Wer ist Zion? So heißt bis heute der Hügel, auf dem die Stadt Jerusalem gebaut wurde. Und bald hatte man ganz Jerusalem so bezeichnet und schließlich mit diesem Wort die Christen überhaupt benannt.

„Hosianna“, diesen Hochruf kann man heute noch manchmal hören, wenn man etwas ganz toll findet oder wenn man jemanden wegen einer besonderen Leistung bejubelt. Wörtlich heißt es übersetzt: “Hilf doch“ …du Sohn Davids! Denn der Vater Josefs stammt aus der Familie des Königs David.

Beim Singen oder Zuhören springt uns hoffentlich das Stichwort Friede noch an: „Friedensthron“. In Jesus inkarniert sich diese Qualität. Das fordert dann also auch jeden Christen heraus: Ich bin mit verantwortlich! : Mein Anteil für die friedliche Verwandlung der Welt ist gefragt! Frieden kann nur werden, wenn wir mit uns selbst und dann in unserem Umfeld damit anfangen!

Das setzt dann wohl eine Selbstbefragung frei: Muss ich wirklich auf Biegen und Brechen mit dem, was ich tue oder lasse, provozieren? Muss ich wirklich über jedes Stöckchen springen, das mir hingehalten wird? Muss ich auf Kritik unbedingt sofort antworten, oft beleidigt und unwirsch? Friede fängt bei mir an, in mir! Und vielleicht geht es auch so, wie es die Dichterin Rose Ausländer einmal dichtete:

„…Der Friede liegt in meinem Herzen.
Ich kaue, kaue das wiederholte Wort,
und werde nicht satt!“

Deshalb auch gehört es zu unserer Art, die Weihnachtstage damit zu erfüllen.

Pfr. i.R. Gerhard Däublin

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