Lasst uns froh und munter sein
Andacht zum 2. Advent

Quelle: Beate Preuss
Liebe Gemeinde,
am Nikolaustag erinnert uns das Evangelium bei Matthäus ans Schenken. Im 6. Kapitel heißt es: „Wenn du aber Almosen gibst, so lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut, auf dass dein Almosen verborgen bleibe; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.“ (Mt 6,3-4).
Nikolaus von Myra hat gern Kindern und armen Menschen Gutes getan. Er hat im Verborgenen gegeben und auf Gottes Lohn vertraut. Daran erinnern zahlreiche Legenden. Bekannt ist die Geschichte von den drei unverheirateten armen Schwestern, denen er von seinem geerbten Vermögen großzügig abgibt. In drei aufeinander folgenden Nächten wirft er heimlich je einen großen Goldklumpen durch das Fenster, die um das Jahr 300 noch ohne Glas waren. Vielleicht ist Nikolaus lautlos durch die dunklen Gassen geschlichen oder hat „Santa Claus is comming …“ gesummt. Mit seinem Handeln hat er sich jedenfalls zu Christus bekannt, wie es in der Bacharie gerade hieß. In der Arie lautet es am Ende: „Kein Tod raubt mir die Zuversicht: Der Herr ist meines Lebens Licht.“
Davon strahlt auch diese Geschichte etwas aus. Durch Nikolaus leuchtet Gottes Licht gleich dreifach in die düsteren Aussichten der drei Schwestern und verhilft ihnen zur Mitgift. Mit drei goldenen Kugeln oder Äpfeln wird Nikolaus darum auf Bildern dargestellt.
Für Musiker könnten die drei Goldklumpen für Händel, Bach und Mozart stehen. Oder je nach Geschmack für Beethoven, Wagner und Schubert. Für Theologen für Luther, Melanchthon und Zwingli. Und manch anderem kommt der Dreiklang von Kartoffelsalat, Wiener und Senf in den Sinn. Oder Ehefrau, Kind und das eigene Haus. Sie ahnen es – die Liste könnte endlos ergänzt werden um Plätzchen, Kaffee und Stollen oder Schifahren, Jagertee und Glühwein.
Apropos Schifahren. Ischgl kennt ja inzwischen jeder als Hotspot. Aber wissen Sie eigentlich, wofür Ischgl noch bekannt ist? Im Stadtwappen trägt der … Nikolaus eine Brezel. Und eine Brezel hat ja auch drei Öffnungen, durch die die Sonne ihr Licht werfen kann.
Der Predigttext für den Nikolaustag steht im Jesajabuch. Im 61. Kapitel heißt es (Jes 61,2.10): Der HERR hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, dass sie frei und ledig sein sollen. Ich freue mich im HERRN, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mir die Kleider des Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet.
Das passt zum heutigen Tag. Ein überschwänglich fröhlicher und durch Gottes Wohltat seliger Nikolaus bringt den Elenden gute Botschaft und tröstet die zerbrochenen Herzen, verkündet Freiheit den Unfreien. Nikolaus sorgt für Gerechtigkeit, in dem er ausgleicht – zwischen arm und reich und zwischen mächtig und abhängig. In seinem Mantel der Gerechtigkeit trägt er mehr als drei Geschenke.
Welche drei Geschenke wir uns wünschen würden? Ja, was sind unsere größten Nöte? Vermutlich würden alle aufatmen, wenn die Pandemie endlich Schnee von gestern ist. Doch das ist leider nicht das Einzige. Wenn doch endlich auch kein Hunger mehr herrschen würde. So wie damals, als der Bischof Nikolaus das volle Kornschiff erleichterte, die Menschen in Myra Essen hatten und trotzdem genau so viel Korn beim Kaiser in Byzanz ankam, wie das Schiff vorher geladen hatte. Und auch eine weitere große Not wäre abgewendet, wenn doch endlich die unzähligen Kriege der Welt aufhören würden.
Doch, so schwant mir, vieles davon müssen wir selbst versuchen. Vielleicht hilft uns dabei, wenn wir das Licht Gottes hereinleuchten lassen durch die Fenster unseres Herzen wie durch eine Plätzchenbrezel. Gerade am Nikolaustag kann uns bewusst werden, was uns alles von Gott geschenkt und anvertraut ist, welche Talente und welche kostbaren Gaben. Aus diesem geschenkten Reichtum heraus sollen wir zu Freudenboten werden, sollen wir Gefangenen zur Freiheit verhelfen und Bedürftigen helfen. Amen.

