Hochzeit und Hausbau

Wochenandacht ab 22. November 2020

Kirche Lützelsachsen Altar

Quelle: Beate Preuss

Liebe Gemeinde!

Hochzeit und Hausbau. Das sind für viele Paare zwei wichtige Punkte in ihrem Leben. Und vielleicht erinnern Sie sich auch, welcher besondere Zauber darin geborgen liegt. Darin, wie man sich kennenlernt, sich zueinander hingezogen fühlt. Wie es ist, auf den anderen zu warten und es dann endlich klingelt, das Herz bis in den Hals klopft. Wie beide immer ganz nah zusammen sein möchten, das Herz überfließt vor Glück und früher oder später Hochzeit gefeiert wird. Und auch wie es ist, eine gemeinsame Wohnung einzurichten oder sogar ein Haus zu bauen und irgendwann vielleicht Kinder zu bekommen.

Unser Predigttext vergleicht die Nähe Gottes mit Hochzeit und Hausbau. Im Buch der Offenbarung, Kapitel 21 (Offb 21,1-7) steht:
Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss! Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. Wer überwindet, der wird dies ererben, und ich werde sein Gott sein und er wird mein Sohn sein.

Da stecken gleich eine Reihe an Bildern drin. Sie alle sollen trösten. Heute am Ewigkeitssonntag sollen sie alle Menschen trösten, die mit ihrer Hand nur eine leere Betthälfte finden, die im stillen Gedenken manchmal noch zwei Tassen auf den Frühstückstisch stellen, die ihre Schritte hören, auch wenn die Liebste schon länger nicht mehr bei uns lebt. Sie sollen alle trösten, die weinen können und die anderen auch. Alle Tränen will Gott abwischen und die unendliche Trauer.

Alles verwandeln, neu anfangen, nicht weniger als das beschreibt Johannes im Buch der Offenbarung. Wenn man so an dem hängt, was vergangen ist, dann fällt so eine Vorstellung schwer. Loslassen und sich auf Neues einlassen, das kann weh tun. Wenn sich die Tage leer anfühlen, die Zeit lang wird und doch dahinfliegt, man hin und her wankt zwischen Dankbar-Sein und Traurigkeit, schönen Erinnerungen und dem Schmerz, zwischen ratlos und zornig.

Heute geht es um eine Ahnung von Gottes Ewigkeit. Johannes stellt unserer Welt eine andere gegenüber. Eine Welt ohne Tod, ohne Leid und Schmerz und Geschrei. Gott sagt: „Siehe, ich mache alles neu.“ Eine Welt ohne Gewalt und Krieg, eine Welt ohne Angst und Hunger. Alles, was am Leben hindert wird ein Ende haben. Das Meer als Ort des Chaos und Rückzugsort des Bösen, wird nicht mehr sein. Ein neuer Himmel und eine neue Erde. Versöhnt mit aller Vergiftung und Zerstörung von uns Menschen. Keine gottlose Welt, sondern ein himmlisches Jerusalem, das von oben kommt und wie eine geschmückte Braut den Zauber des Neuanfangs verkörpert.

Hochzeit und Hausbau. Beides gehört auch hier eng zusammen. Gott wohnt inmitten der Menschen. Wenn Johannes von der Hütte Gottes bei den Menschen spricht, dann erinnert er an die Stiftshütte, das mobile Heiligtum, das Israel auf seinem Weg von Ägypten ins gelobte Land mit sich geführt hat und durch das Gott ihnen nahe war. Die neue Welt ist das gelobte Land, wo Frieden und Gerechtigkeit sich küssen wie Braut und Bräutigam, wo Gott und Menschen beieinander wohnen.

Nachbarn bekommen viel voneinander mit. Vielleicht auch, wenn ich traurig bin und die Blumen nicht mehr gieße, den Rollladen nicht mehr hoch ziehe. Vielleicht klingelt der ein oder andere Nachbar oder ruft mal an, weil Gott ihn schickt, mit ´nem Stück Kuchen oder weil die Waschmaschine kaputt ist.

Wir hören die Verse aus dem Buch der Offenbarung heute zum Ewigkeitssonntag mit einem besonderen Klang. Zuerst galten sie verfolgten Christen im römischen Reich. Und damals schwang ein anderer Klang mit. Gott ist A und O, nicht der Kaiser. Er ist es, der den Durstigen lebendiges Wasser gibt. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Alle, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden, und all unsere Verstorbenen sind nicht verloren. Und keiner soll in seiner Trauer allein sein. Gott selbst gibt den durstigen Seelen neues Leben, den Seelen der Lebenden und der Toten.

In unseren Kirchen, auf unseren Friedhöfen und in unseren Häusern ist die Zeit der Tränen noch nicht vorbei. Aber unsere Tränen sollen sein wie eine Saat, die Gott wachsen lässt. Wovon wir mit Lachen ernten sollen. Mit Freudentränen sollen wir Erben des ewigen Lebens werden, so wie wir es für unsere Toten schon jetzt hoffen und ahnen. Wenn wir wie Jesus Christus den Tod überwunden haben, um in Gottes neuer Welt zu leben, das wird sein wie ein Hochzeitsfest.
Vielleicht kann es gelingen, dass wir schon jetzt im Licht dieser Welt als Versöhnte leben können. Auch wenn der Schmerz bleibt und keiner die Lücke ausfüllen kann, die unsere Lieben hinterlassen haben.
Amen.

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