Rotes soll weiß werden

Andacht zum Buss- und Bettag

Kirche Lützelsachsen Altar

Quelle: Beate Preuss

Liebe Gemeinde!

Jesaja macht einen Rundumschlag. Gleich im ersten Kapitel klagt er über sein abtrünniges Volk und richtet sich dann an die Städte Sodom und Gomorrha. Wir haben den Predigttext vorhin als Lesung gehört. Jesaja tadelt ihren falschen Gottesdienst und warnt: Wenn ihr so weiter macht, dann hört Gott nicht mehr zu.

Aber von vorn. Sodom und Gomorrha – beide Städte sind zum Inbegriff gewordenen für gottloses Leben. Abraham hatte keine zehn gerechte Menschen in Sodom und Gomorrha gefunden. Das bedeutete ihren Untergang. Und doch: Trotz aller Untergangsszenarien ist darin schon hier die starke Hoffnung versteckt, die erst noch entfaltet werden muss, dass nämlich allein zehn Gerechte eine Stadt verändern und retten können.

Jahrhunderte später beklagt Jesaja wieder problematische Zustände in Sodom und Gomorrha. Die Menschen in beiden Städten opfern zwar Gott, kommen zu Gottesdiensten zusammen und beten zu Gott. Jesaja aber lässt Gott zu Wort kommen und sagt (V.15): „Wenn ihr auch viel betet, höre ich euch doch nicht; denn eure Hände sind voll Blut.“

Nach diesem Paukenschlag formuliert Jesaja, was Gottes Willen ist. Nicht weniger als richtigen Gottesdienst will er. Und das muss heißen, dass die Menschen in Sodom und Gomorrha nicht nur die Städte wieder aufgebaut haben, sondern auch das Unrecht. Nichts haben sie aus der Geschichte gelernt. Dabei waren sie in vielem vorbildlich: feierten Gottesdienst, brachten Gott Geschenke dar, wendeten sich mit ihren Bitten an Gott und erhofften sich Hilfe von ihm. Doch es sind falsche Gottesdienste dabei herausgekommen.

Darum fordert Gott sie auf, sich von dem Bösen zu reinigen und nicht weiterhin die Hände zu beflecken. „Lass ab von dem Bösen, lernt Gutes tun.“, das ist der Auftrag. Und das heißt nicht weiter wurschteln und Sonntags das Gewissen erleichtern, sondern richtig neu anfangen. Danach fragen, was recht ist, was den Unterdrückten, Witwen und Waisen helfen könnte und dafür auch etwas tun. Wenn das fehlt, dann können die Gottesdienste noch so schön sein und die Bitten noch so innbrünstig. Dann sind sie Gott grässlich.

Es gibt nicht nur seit neun Jahren Krieg ins Syrien. Es gibt nicht nur Bürgerkrieg in Afghanistan und Lybien, Armenien und Aserbaidschan. Es gibt Hunger, Seuchen und Not, vor denen Menschen in die Fremde fliehen. Es gibt Briefe und Postings, aus denen Hass spricht. Wir leben auf Kosten anderer, ahnen, dass wir unseren Lebensstil ändern müssten. Morddrohungen, Verdreher und Leugner der Wahrheit, Attentäter und Amokläufer. Es geht unsere Welt heute an, was Jesaja ausrichtet.

Wer die Hände zum Gebet ausbreitet und die Schuld, die an seinen Händen klebt, nicht abgewaschen hat, der muss umkehren und Buße tun. Da helfen auch nicht übermäßige Wohltaten und zahlreiche Opfer. Über das Beichten habe ich eine geistreiche Bemerkung gelesen. In zwei Worte zerlegt und das Ich aus der Mitte genommen, heißt „Be-ich-te“ nämlich „ich bete“. Und beten kann ich nicht, wenn ich mich selbst in die Mitte stelle. Etwas ändern, Buße tun und umkehren. Ich muss mich selbst infrage stellen, um mich Gott zuzuwenden und von ihm etwas zu erhoffen. Frieden müssten wir suchen – mit uns, mit Gott, mit anderen. Umkehren zum Frieden. Das wissen wir.

Der Buß- und Bettag bietet unserer Gesellschaft die Gelegenheit, innezuhalten, den eingeschlagenen Kurs zu überprüfen und, wenn nötig, zu korrigieren. Das ist sein Sinn und Ziel.
Der Predigttext, der uns aufgegeben ist, spricht vom Gericht. Aber er spricht auch von Gottes Geduld und Absicht. Und so endet er mit starken Worten und einer starken Hoffnung. „Wenn eure Sünde auch blutrot ist, soll sie schneeweiß werden, wenn sie rot ist wie Purpur, soll sie doch wie Wolle werden“, (V.18). Das ist das Ziel. Damit kommt wieder das Bild von den Händen zum Klingen, an den rotes Blut klebt, und die wir waschen sollen ohne mit neuem Unrecht in Kontakt zu kommen. Abstand sollen wir nehmen von dem, was unserer Gemeinschaft schadet, und in Einklang bringen, was wir (zu Hause) singen und beten mit dem, was wir tun und was wir lassen. Dazu ruft der Buß- und Bettag auf.

Mut macht mir dabei, dass es nicht die Masse sein muss. Sondern, dass schon eine kleine Zahl an Menschen reicht, dass die Hoffnung nicht verloren ist und sie Dinge zum Guten wenden können.
Amen.

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