Was ist dir wichtig?

Ansprache zur Konfirmation (20.09.20)

Kirche Lützelsachsen Altar

Quelle: Beate Preuss

Liebe Konfirmanden, liebe Konfirmandinnen!

Was ist dir wichtig? Wofür setzt du dich ein? Diese Fragen stellen sich immer wieder. Sie stellen sich auch Mose. Von ihm haben wir vorhin gehört (2. Mose 3,1-8a). Die Bibel deutet schon seine Geburt als Geburt eines Retters. Er soll Israel aus der Sklaverei befreien. Doch der Retter ist schon als Säugling selbst in Gefahr und muss gerettet werden. Weil der Pharao die ältesten Söhne der Israeliten umbringen lässt, wird Mose in einem Korb gerettet, der auf dem Wasser schwimmt, und am Hof des Pharao wird Mose großgezogen. Gott hat ihn aus der Not getragen und durch das Wasser hindurch beschützt.

Mose wird ein junger Mann. Und eines Tages sieht er, wie ein ägyptischer Aufseher einen Israeliten bei der Arbeit lebensbedrohlich misshandelt. Mose fragt sich: Kannst du einfach zusehen? Oder muss ich mich für ihn einsetzen? Mose wird so ärgerlich, dass er eine rote Linie überschreitet und den Aufseher erschlägt. Wieder steht alles auf dem Spiel. Der erhoffte Retter ist zu einem Mörder geworden und muss fliehen. Er flieht vor der Strafe des Pharao in die Fremde.

Während Mose dort als Hirte lebt, leidet Israel weiter unter dem Sklavendienst. Und Mose wird gefragt: Was trägt dich? Kannst du das ertragen? Wie kannst Du Dich für sie einsetzen? Gott konfrontiert Mose damit. Gott hat sich finden lassen, hat Mose zu sich gerufen, so wirkt es. Einen Menschen, der jähzornig sein kann, nicht sonderlich redegewandt, zögernd, Schuld klebt an seinen Händen. Ihm erscheint Gottes Engel in den Flammen.

Und Mose weiß „Mensch, da muss ich was tun. Für ein besseres Leben der Menschen, die unter der Sklaverei leiden.“ Es ist so etwas wie ein Auftrag für Mose. So wie Gott Mose durch das Wasser bewahrt hat im Weidenkorb, so soll Mose Israels Not wenden helfen. Und durchs Wasser hindurch wird er die Israeliten durch die Wüste und ins gelobte Land führen.

Der brennende Dornbusch ist faszinierend. Denn damit wird der Weg ins gelobte Land bereitet, ohne dass auch nur ein Weg seinen Verlauf ändert. Der Dornbusch steht für die Leidenschaft des lebendigen Gottes, der mit uns durch alle Not geht, und für die Botschaft: Alles Schmerzhafte kann überwunden werden.

Gott ist Mose begegnet. Das hat sein Leben verändert. Denn Gott schickt ihn genau zu dem Pharao, vor dem Mose geflohen war.

Als Jugendlicher kann man natürlich sagen: Bin ich Moses? Natürlich nicht. Ihr heißt: Sydney, Felix, Julian, Johanna, Roxana, Nele, Samuel, Christian, Anni, Svea, Florian, Jonathan, Constantin, Annika, Zoe, Fiona, Katharina, Fannie, Nina, Jana, Dana, Amely und Moritz. Ich möchte die Situation am Dornbusch trotzdem mit der Konfirmandenzeit vergleichen. Denn auch die Konfirmandenzeit ist eine Zeit, in der sich junge Menschen mit religiösen Fragen auseinandersetzen. Sie ist die Gelegenheit Gott zu begegnen. Und in der Gemeinschaft mit Gleichaltrigen zu spüren, was Euch wichtig ist, wofür Ihr brennt, was Euch trägt, was Ihr für Euch und für andere zum Guten wenden könnt.

Mir ging es damals so, dass ich das ganz besonders fand. Ich habe mit Ernst und Gekicher, Geschwatze und Neugier Konfirmandenunterricht gehabt und mich dann unsicher und aufgeregt da hin gestellt und gesagt: „Ja, ich bekenne mich dazu, dass ich als Christ leben will. Und, dass nicht nur gilt, was politisch in ist, was andere für ein unbedingtes Muß an Mode halten und, dass sich nicht nur rechnet, was sich in Geld umrechnen lässt.“

Vor 481 Jahren wurde das erste Mal Konfirmation gefeiert, doch erst nach und nach hat sie sich durchgesetzt.1 Es hat bis zum 18. Jahrhundert gebraucht, denn in dieser Zeit ist das persönliche Bekenntnis zum christlichen Glauben wichtig geworden. In den Jahren, als der Bau unserer Kirche hier begonnen hat, wurde in Baden-Durlach die Konfirmation und die Schulpflicht eingeführt. Das war im Jahr 1770. Konfirmation und Schulabgang waren damals eins.

Die Konfirmation feiert in Baden in diesem Jahr also ihr 250. Jubiläum. Und auch heute steht die Konfirmation für die Erinnerung an Eure Taufe, für den Abschluss religiösen Lernens und das Bekenntnis zu Gott. Und sie ist mit der Fürbitte für die Konfirmanden verbunden und Eurer Segnung.

Gottes Segen könnt auch Ihr gut gebrauchen. Denn Ihr seid nicht mehr nur mit den Eltern unterwegs. Ihr könnt zwar nicht alles allein entscheiden, aber bei vielen Entscheidungen seid Ihr immer mehr beteiligt. Ihr braucht es, dass Euch jemand etwas zutraut und trotzdem Schutz bietet. Und Ihr braucht natürlich auch Gleichaltrige und Freundinnen und Freunde.

Wir hatten miteinander den seit Langem längsten Konfirmandenjahrgang mit der längsten Pause zwischen Beginn und Konfirmation. Ihr habt das Glaubensbekenntnis auswendig gelernt. Habt unsere Gemeinde und das Pilgerhaus kennengelernt. Wir waren Anfang März gerade noch auf Konfirmandenfreizeit. Ihr habt dort viel miteinander gearbeitet und gesungen. Auch wenn wir schon weit gekommen sind, es geht immer weiter – hoch hinaus.

Auch für Euren weiteren Lebensweg gilt, dass es immer weiter geht. Heute bestätigt Ihr, dass Ihr mit allen Christinnen und Christen hofft und glaubt – trotz aller Zweifel und Fragen. Dass Gott uns begleitet, retten kann aus kniffligen Situationen und Hoffnung schenken kann in tiefer Verzweiflung. Eure Eltern und wir als Gemeinde wünschen Euch Gesundheit, Zufriedenheit, Vertrauen, Liebe, Mut, Familie, Frieden und Zuversicht. Dazu soll Euch heute Gottes Segen zugesprochen werden.

In wichtigen Momenten werdet Ihr spüren – das wünschen wir Euch –, wo und wie Menschen leiden, und was Euer Beitrag sein kann, dass sich etwas zum Guten verändert. Dazu schenke uns Gott Durchhaltevermögen, gute Nerven, die nötige Lockerheit und Geduld für den richtigen Zeitpunkt, wenn sich Wege eröffnen, ohne dass auch nur ein Weg seinen Verlauf verändert.

Amen.

Fußnote 1: Schon seit dem 14. Jahrhundert gibt es im Judentum mit der Bar Mitzwa für Jungen und der Bat Mitzwa für Mädchen eine ähnliche Feier, bei der zunächst die Jungen das erste Mal im Gottesdienst aus der hebräischen Bibel vorgelesen haben. Schon vor 481 Jahren (1539), hat Martin Bucer, Reformator in Straßburg, die Konfirmation in der hessischen „Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung“ eingeführt. In der Auseinandersetzung mit der Täuferbewegung ergänzte man die Kindertaufe mit der Taufbestätigung als religionsmündiger Jugendlicher.

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