Jona am Strand

Sommerandachtsreihe Teil 2

Quelle: Dorothea Rohland

Jona liegt im seichten Wasser. Wie neu geboren liegt er da. Unschuldig schuldig, verwickelt in die Geschichte der Menschen mit Gott. Das Aufstehen und das Laufen muss er lernen und wird zunächst hin und her gewiegt von den Wellen am Strand. Ich stell mir vor, dass er das genießt. Und sich an seine Mutter erinnert. Wie sie ihn wärmt und wiegt und tröstet über den Schmerz der Welt.

Ob er sich in den Leib seiner Mutter zurückgesehnt hat, davon erzählt die Bibel kein Wort. Auch nicht, ob er nun frohgemut, frisch und frei nach Ninive marschiert mit dem Wort Gottes und einem Mut-mach-Lied auf den Lippen. Oder ob er die letzte Fanfare Ninives schon hört und am liebsten ausreißen will. Ob er in den Fisch oder das tiefe Meer gesprungen wäre, wer weiß.

Für die Bewahrung vorm Ertrinken im tiefen Meer hat er ihm Danke gesagt. Damals im Fisch. Noch in dessen Bauch hat er Gott sein Gelübde erneuert, seinem Auftrag gerecht zu werden.

Und nun hört Jona: Mache dich auf nach Ninive. Ob es ihm passt oder nicht. Da muss er wohl aufstehen und aus den mütterlich wiegenden Armen des Meeres in die Menschenwelt.

Die Bewegung von Mutter, Fisch und Meer soll er aber nicht vergessen, sondern im Herzen tragen und davon zehren, wenn Sturm aufzieht.

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