Jona rennt weg und kommt zur Ruhe

Sommerandachtsreihe Teil 1

Quelle: Dorothea Rohland

Zuerst rennt Jona. Er rennt weg. Er soll den bösen Menschen in der Stadt Ninive sagen, wie sehr Gott sich aufregt über sie. Ich stell mir vor wie es in Jona schafft. In seinem Herzen, in seinem Kopf. Sicher geht ihm die Frage an die Nieren: Wie soll ich in Ninive sagen, was falsch läuft? Was werden sie sagen? Wie werden sie reagieren? Doch Jona ahnt vielleicht, wie sie reagieren würden. Darum rennt er weg.

Wegrennen, das ist manchmal sinnvoll. Nicht alles aushalten müssen, nicht nur das Schlechte ansehen. Doch wichtig ist auch die Frage: Wo renne ich hin? Was erträume ich mir? Wie soll es sein, das Leben? Was ist für mich schön? Wenn ich Geburtstag feiere, wenn ich meine Freunde wieder treffen kann, wenn ich die Enkel oder Großeltern wieder besuche, damit ich einfache Dinge genießen kann? Vielleicht denkt Jona später auch darüber nach.

Zuerst versucht sich Jona davon zu stehlen. Auf einem Schiff versucht er ans andere Ende der bekannten Welt zu kommen. Jona sollte nach Ninive und fährt in die entgegengesetzte Himmelsrichtung.

Doch auf dem Weg dorthin bricht der Sturm der Fragen über ihn herein. Werden die Menschen in Ninive sich nicht doch ändern können? Werden wenigstens einige auf mich hören? Oder kann man sich nur von der ganzen Stadt fern halten? Aber was mache ich, Jona, eigentlich am Ende der Welt?

Im Sturm der Wellen kann Jona seinen Gott doch nicht um Ruhe bitten, denkt er. Aber um der fremden Seeleute willen willigt Jona ein in die vermeintlich einzige Lösung. Ins tiefe Meer sollen sie ihn werfen. Was soll Jona schon am Ende der Welt? Jona ist fertig. Er ist am Ende mit seiner Kraft und auf einer ausweglosen Flucht.

Doch Gott fängt Jona. Fängt ihn nicht etwa ein, sondern auf. In einem großen Fisch findet Jona Zeit zum Nachdenken, Raum für seine Fragen, Gelegenheit für einen Psalm. Drei Tage und drei Nächte sind eine lange Zeit. Vor allem für Jona, der schon auf dem Schiff Zeit hatte zum Nachdenken.

Ich stell mir den Bauch manchmal wie eine große Kathedrale vor, in der immer ein Hoffnungslicht brennt. Und manchmal denke ich: Nein, eigentlich muss das doch ein Ort sein, an dem Jona sich gehalten weiß, der schaukelt wie ein Boot oder der Schoß seiner Mutter. Ein Platz, wo er immer wieder frische Luft bekommt, wo er warm gehalten wird und sich doch strecken kann.

Dort an diesem Ort buchstabiert Jona einzelne Worte und dann einen ganzen Psalm. Zeilen, mit denen seine Seele auch die Freude beschreibt. Die Freude in allem Leid, an dieser unvollkommenen Welt.

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