Liebe Leserin, lieber Leser!
Mitten im Sommer geht es heute um die Taufe. Bei der Themenwahl für diesen Sonntag spielt sicher eine Rolle, dass der Juli in unseren Breiten der wärmste Monat ist. Sein alter deutscher Name Heuet oder Heuert, erzählt davon, dass in der Sommerhitze des Heumonats Gras und Getreide geschnitten wird. Und an heißen Tagen bringt uns das Baden und Tauchen oft die ersehnte Abkühlung. Der Titusbrief nennt die Taufe „Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist“. Denn das Taufritual vollzieht mit dem Eintauchen im Wasser und Auftauchen die Vorstellung von Umkehr, Reinigung und frischem Neubeginn.
Sicher, die meisten von uns waren bei ihrer Taufe so klein, dass sie sich heute nicht mehr daran erinnern können. Und weil das Bad der Wiedergeburt einmalig ist und für immer gilt, können wir unsere Taufe auch nicht wiederholen. Doch auf das, was die Taufe begründet, ist Verlass. Es ist ein Fundament für das ganze Leben gelegt. Daran kann man sich immer wieder erinnern.
Martin Luther zum Beispiel hat in Not und Anfechtung daraus Kraft gewonnen. Auf sein Schreibpult soll er dann geschrieben haben: „Ich bin getauft“. In Momenten mit heißem Kopf und in hitzigen Auseinandersetzungen hat ihn das erfrischt und Halt gegeben. Er hat sich daran erinnert, dass er getauft ist, ohne zu wissen, wie seine Taufe damals war.
Das Evangelium für diesen Sonntag zitiert Jesus (Mt 28), wie er als Auferstandener zu seinen Jüngern sinngemäß sagt: ‚Tauft Menschen aller Völker. Unterweist sie, damit sie mit euch halten, was ich euch aufgetragen habe. Ich bin jeden Tag bei euch.‘
Zum Predigttext für diesen Sonntag (5. Mose 7,6-12) gibt es eine besondere Verbindung. Und die würde ich beim Wort ‚halten‘ suchen. Dazu müssen wir zurückgehen in die Zeit vor Jesus. Mose fasst am Ende der Wüstenwanderung und gegen Ende seiner Zeit auf Erden die wichtigsten Gebote zusammen. Die Gebote sollen auch in Zukunft die Gemeinschaft Israels stärken. Er hat sie ihnen gelehrt. Und sie sollen sie nicht vergessen, sondern halten. Das trägt Mose ihnen auf.
Er erinnert sie daran, dass sie Gott heilig sind. Der hat Israel erwählt, weil er sie als das kleinste Volk lieb gewonnen hat. Wie er ihren Vätern geschworen hat, hat er sie aus der Unfreiheit in Ägypten herausgeführt und von der Knechtschaft erlöst. So soll und kann Israel wissen, dass sich der barmherzige Gott an den Bund hält, den er mit ihnen geschlossen hat. Das ist der Weg zu einer Gemeinschaft, in der sich der einzelne gehalten wissen kann. Ohne sie wird Israel nicht überleben.
Mose hatte die Aufgabe Israel zum Land Kanaan zu führen. Nun beginnt etwas neues. Dabei helfen die Gebote Gottes. So verheißt Mose: „Und wenn ihr diese Rechte hört und sie haltet und danach tut, so wird der HERR, dein Gott, auch halten den Bund und die Barmherzigkeit, wie er deinen Vätern geschworen hat.“ (Dtn 7,12).
Jesus gibt seinen Jüngern ganz am Ende des Matthäusevangeliums kurz nach seiner Auferstehung einen Auftrag. Es ist so etwas wie sein Vermächtnis. Er erinnert sie wie Mose an das, was er ihnen gezeigt und was er von Gott erzählt hat. Seine Gebote sollen sie weitergeben, damit nun Menschen aus allen Völkern eine Gemeinschaft bilden.
Die Gebote sollen sie halten, damit sie die Gemeinschaft stärken. Die Gemeinschaft untereinander und die Gemeinschaft mit Gott. Diese Gebote sollen sie halten, damit sie ihnen Halt geben: Gott lieben von ganzem Herzen und den Nächsten wie sich selbst.
Ja, Gott hat sie lieb gewonnen und erwählt. Alles, was sie unfrei macht, soll sie nicht mehr knechten. Gott will mit ihnen eine Partnerschaft, einen Bund schließen und barmherzig zugewandt bleiben. Für diesen Anfang steht die Taufe. In der Gemeinschaft aller Getauften soll sich jeder einzelne gehalten wissen. Jesus versichert all seine Jünger und Jüngerinnen: ‚So werde ich jeden Tag bei euch sein.‘
In der Taufe schließt Gott einen Bund mit uns. Und wir bekennen uns mit Taufe oder Konfirmation zu dieser Freundschaft mit Gott. Auch wenn viele Bünde auf der Welt zerbrechen, bleibt der Bund Gottes bestehen. Zu ihm können wir zurückkehren. Wir können uns daran erinnern, dass wir getauft sind, und daraus Kraft schöpfen. Mit dem Wasser der Taufe gewaschen gilt die Zusage Gottes an Israel auch uns: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“
Und im Juli gibt es dafür Erinnerungsmomente genug, auch ganz banale: beim Blumengießen, mit dem Schlauch spritzen, den Stand der Wassertonne betrachten, im Schwimmbad oder am Waidsee beim Untertauchen und Auftauchen.
Amen.


