Liebe Gemeinde!
Die vorbildliche Gemeinde oder brüderliches Teilen, so hatten die Übersetzter der Basis Bibel diesen Text (Apg 4,32–37) überschrieben. Der Text den wir in der Lesung hörten. Ich würde es überschreiben mit die Perfekte Gesellschaft. Oder die Grundlage des Friedens. Und genau hier, platzt mein Traumgedanke, doch ist gerade diese Textstelle fundamental für unser Zusammenleben. Ja, eigentlich sogar die Grundlage unseres Glaubens.
Für mich hat dieser Text unterschiedliche Ebenen. Zunächst die Ebene der Geschichte: Es war für die frühen christlichen Gemeinden wohl aufgrund der Tatsache, dass einige immer wieder verfolgt wurden oder Not litten, wichtig für die Mitglieder alles was sie hatten untereinander zu teilen. Keinem gehört etwas. Dennoch gehört allen alles. So war es möglich, jeden zu unterstützen und aufzunehmen, da die Last verteilt wurde. Dass dies Konflikte schuf, lesen wir gleich ein paar Zeilen später. Wo es Einzelnen nicht möglich war, der Versuchung zu widerstehen und sie etwas für sich behielten.
Es erinnert mich ein wenig an Gott, wie er uns die Schöpfung überlassen hat. Allen gehört alles und alle sollen sie pflegen. Und wir teilen sie auf, verkaufen sie und können der Versuchung nicht widerstehen uns zu bevorteilen …
Nun entdecke ich darin allerdings noch eine zweite Ebene in den Zeilen: der Glaube. Da sind Frauen und Männer, Mädchen und Jungs durch alle Gesellschaftsschichten zu einem Glauben gekommen. Zu dem Gauben an Jesus Christus, so wie wir hier.
Doch haben die Gemeindemitglieder nicht nur mit der Verführung an sich zu kämpfen und müssen jeden Tag aufs neue „das Böse mit dem Guten überwinden“ wie Paulus sagte. Genau wie wir. Sie kämpfen auch gegen ihre vorigen Formen an, ob es nun Heiden waren oder Juden. Immer wieder wird uns in den Briefen von Paulus darüber berichtet, wie schwer es den einzelnen Gemeinden fiel, nicht wieder alten Riten zu verfallen.
Ich denke, auch wir müssen die Möglichkeit nutzen, die uns gegeben wird, einige unserer Verhaltensweisen zu überdenken und auch wieder neu anzupassen. Jeder für sich. Es gibt doch keinen besseren Zeitpunkt als jetzt. Wo wir gezwungen sind unser Miteinander neu zu ordnen. Es war auch so, dass Saulus den Moment der erzwungenen Ruhe brauchte um sich neu auszurichten, um schließlich als Paulus den Glauben zu uns zu tragen, Gemeinden zu gründen und Ihnen beizustehen.
Auch ich durfte feststellen, das es nicht nötig ist durchs Leben zu hasten. Wie schön es doch ist mit jemanden zu reden. Wie unendlich wertvoll eine Umarmung mit einem Freund einer Freundin ist. Dinge die ich vorher als normal einstufte, haben jetzt wieder den Wert der ihnen gebührt.
Dann ertappe ich mich auch, dass alte Gewohnheiten wieder Einzug nehmen. Es wird wieder schnelllebiger, ich nehme öfter das Auto, anstelle des Fahrrades. Ich fange wieder an durch den Tag zu hetzen …
Auf einen Punkt möchte ich bei diesem Text unbedingt eingehen, es drängt sich förmlich auf: In einem Kommentar zu dem Text las ich den Vergleich mit dem Kommunismus. Ja, es drängt sich uns auf, ich gebe es zu. Enteignung … Der Kommentator schlussfolgerte: Der Kommunismus hat nicht funktioniert, weil dort der Klassenkampf (Klassenhass) die tragende Rolle spielt. Im Christentum dagegen die Nächstenliebe.
Diesen Gedanken möchte ich gerne jeden bitten, für sich zu überdenken und für sich selbst zu bewerten. Denn genau hier, so finde ich, liegt eine der größten Gefahren für eine Gruppe, so wie wir uns Christen verstehen, sich zu zersetzen. Es geht beim Kommunismus nicht um Hass sondern um Gleichheit. Die Form wie diese erreicht werden soll, durch Kampf der als Reaktion auf die Unterdrückung zurückzuführen ist, ist nicht von der Hand zuweisen.
Hier möchte ich auf die Reaktion von Jesus erinnern: wie er auf den Schwertangriff bei seiner Verhaftung von einem Jünger gegen einen der Soldaten reagierte. Mit Selbstsicherheit, Überzeugungskraft, Gnade, Liebe und Verständnis für den der sich so zu helfen versuchte, gleichermaßen wie für den Soldat in diesem Moment das Opfer.
Was ich sagen möchte: Wir sollen nicht urteilen, auch wir schaffen dieses hohe Ziel des Zusammenlebens und des Teilens nicht. Aber es soll uns als Ziel dienen, dieses zu erreichen es sich lohnt, dafür zu kämpfen. Jeder für sich und nach all seine Kräften, mit der Gewissheit Ich bin nicht alleine, wir sind viele, und wir nehmen uns gemeinsam an die Hand.
Dies bezeugen wir in unseren Gottesdiensten durch unser Glaubensbekenntnis. Jeder von uns hat es auf den Lippen, jeder schon so oft gesprochen. Ich habe vor knapp einer Woche ein Bekenntnis gefunden, welches mich sehr berührt hat. Denn es knüpft nicht nur an die Schrift und den Grundpfeiler unseres Glaubens an. Es formuliert unmissverständlich, wofür wir Christen und Gott unser Glaube steht:
Ich glaube an Gott, den Ursprung.
In Gott war alles: Alle Formen und alle Farben.
Durch Gott wurde alles, was ist.
Durch Gott ist alles Leben heilig.
Ich glaube an Gott,
der die Menschen liebt.
Die Menschen sind bunt,
weil Gott selbst bunt ist.
Gott hat niemanden besser oder schlechter gemacht.
Alle Menschen sind Ebenbilder Gottes.
Ich glaube an Gott,
der die Gerechtigkeit will.
Gott ist schwarz,
wo Schwarze unterdrückt werden.
Gott ist eine Frau,
wo Frauen misshandelt werden.
Wer andere verachtet, verachtet Gott.
Ich glaube an Gott,
der den Frieden bringt.
Gott selbst ist auf die Welt gekommen,
damit wir sehen,
wie viel Friede möglich ist.
Von Gottes Geist sollen wir uns führen lassen.
Amen


