Der Heilige Geist - Halt und Zuversicht in Zwischenzeiten
Wochenandacht ab Exaudi (6. Sonntag n. Ostern) 24. Mai 2020

Quelle: Beate Preuss
Liebe Hörerin, lieber Hörer, liebe Gemeinde,
Zwischenzeit – das ist ein Begriff, den wir im Alltag gerne gebrauchen. Gestern rief ich meiner Frau im Rausgehen kurz zu: „Ich bringe schnell den Müll runter, such du in der Zwischenzeit bitte nach der Telefonnummer!“ oder „Ich fahre schnell noch zum Marktkauf, bitte bereite du in der Zwischenzeit schon einmal das Abendessen für uns vor“.
Laut Wikipedia bezeichnet Zwischenzeit „die Zeitdifferenz zwischen zwei definierten Zeitpunkten“. Der Begriff findet Verwendung:
* in der Arbeitstheorie als Zeit planmäßiger Unterbrechung einer Arbeitsaufgabe,
* im Sport für die bis zu einem festgelegten Punkt vergangene Zeit
* in der Verkehrstechnik für die sog. Schutzzeit an Lichtsignalanlagen
und schließlich
* in der Geschichtswissenschaft. Hier werden mehrere Abschnitte der langen ägyptischen Geschichte als Zwischenzeiten definiert.
Eine allgemeine Definition von Zwischenzeiten aus Sicht von Individuen habe ich nicht gefunden. Und so erlaube ich mir für die heutigen Abendandacht zu sagen: „Zwischenzeit“ ist eine Zeitspanne, in der ein Mensch das Gefühl hat, das Alte und Bekannte geht zu Ende, aber das Neue, das ist noch nicht so richtig sichtbar. Eine solche Situation kann Sorgen bereiten und Angst machen. Wir wissen nicht so richtig einzuschätzen, was kommt da auf uns zu? Wie wird sie sein, die neue Zeit?
Zwischenzeit 1
Wir erleben täglich die behördlich angeordneten Einschränkungen mit Schließungen von Kitas, Schulen, Unis, Spiel- und Sportplätzen, Theatern und Restaurants u.v.a.m. , Abstandsgebote und Hausquarantänen. Diese drastischen Maßnahmen zu unserem Schutz vor einer Ansteckung mit dem Virus waren ohne Frage erfolgreich. Die Anzahl der mit Corona Infizierten schoss zum Glück nicht ungebremst in Höhe –, der lock-down wirkt. Das Gesundheitssystem war und ist in der Lage, alle Patienten adäquat zu behandeln und das weitere Infektionsgeschehen sicher zu kontrollieren.
Aber: Unser normales, das übliche Leben wurde mit den Corona-Maßnahmen eingefroren. Viele Menschen bangen um ihre finanzielle Existenz – trotz der milliardenschweren Rettungsschirme. Viele Heimbewohner haben in Quarantäne leben müssen, waren isoliert von ihren Familienangehörigen. Viele nicht an Corona Erkrankte mussten ärztliche Behandlungen unterbrechen und fürchten jetzt die negativen Folgen für ihre Gesundheit.
Familien mit Kindern lebten wochenlang auf engstem Raum. Weil sie ihre Wohnung kaum verlassen durften, gingen sich bald gegenseitig auf die Nerven. Welche Folgen wird dies auf das Ausmaß von häuslicher Gewalt gegenüber Kindern haben?
Und ja: Wir freuen uns über die zahlreichen Lockerungen, die das Leben langsam wieder öffnen und unser normales Leben wieder auftauen sollen. Aber viele von uns bleiben skeptisch. Wird das normale private und das berufliche Leben, nach dem Ende der Corona-Pandemie einfach so wieder zu uns zurückkommen?
Wie erleben Sie selbst diese Krisenzeit? Ich fühle mich nach fast drei Monaten im „Corona-Modus“ innerlich sehr unruhig. Ich spüre eine gewisse Unsicherheit – aber halte dies eigentlich für normal. In angespannten Situationen wie diesen hilft mir das Gebet. Für mich heißt Beten, ein inneres Gespräch zu suchen mit Gott. Meine Ängste, meine Sorgen Gott vorzutragen, ihm anzuvertrauen und die Lösung meiner Probleme auch mit in seine Hände zu legen: „Exaudi- Gott erhöre mich!“
Zwischenzeit 2
Wir beteten gerade den Psalm 27. Dieser Psalm wird dem berühmten König David im AT zugeschrieben. David lebte in der Zeit um 1000 vor Christus und hat eine Reihe von Zwischenzeiten erlebt. Denn ehe David zum König der Israeliten gesalbt wurde,
* musste er körperlich überlegene Feinde besiegen,
* musste er böse Intrigen überstehen,
* musste er in die Verbannung gehen oder wurde
* über lange Zeit in Gefängnisse geworfen und in Isolation gehalten.
Für David war die eigene Zukunft also alles andere als sicher und vorherbestimmt. Immer wieder wurde seine Existenz auf den Prüfstand gestellt. Es ging dabei um Leben und Tod. Aber David wusste sich in diesen Situationen nicht allein gelassen. Er vertraute auf Gott und rief „Exaudi – Gott erhöre mich“. Gott erhörte ihn und er antwortete ihm. Das unverbrüchliche Gottvertrauen Davids – trotz der zahlreichen Ambivalenzen in seinem Leben – wird deutlich im ersten Vers von Psalm 27: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten“.
Zwischenzeit 3
„Jesus zeigte sich den Aposteln nach seiner Auferstehung durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang.“ So berichtet es Lukas zu Beginn der Apostelgeschichte im NT. Jesus traf in dieser Zeit seine Jünger, redete mich ihnen über das kommende Reich Gottes. Er aß und trank mit ihnen. Er bereitete sie darauf vor, dass sie die Kraft des Heiligen Geistes empfangen würden.
Als Jesus in Betanien dann vor den Augen seiner Jünger in einer Wolke zum Himmel auffuhr, blieben die Männer verwirrt und verwundert zurück. Nach dem Tod und der Auferstehung von Jesus war den Jüngern klar, dass nichts wieder so sein würde wie zuvor. Aber was sollte ihre Aufgabe nun werden? Was hatte Jesus mit ihnen vor? Und wann genau würde er zurückkommen? Viele Fragen taten sich auf und die klaren Antworten fehlten. Auch in dieser Situation kann man davon ausgehen, dass mit der Himmelfahrt Jesu für seine Jünger eine Zwischenzeit begann. In diesen Tagen werden die Jünger oft zu Gott gebetet haben. „Exaudi – Gott erhöre uns“
Fazit
Zum Pfingstfest beten wir auch wieder: „Exaudi – Gott erhöre uns“. Wir bitten darum, Gott möge uns seinen heiligen Geist senden, so wie damals in Jerusalem.
Die Notwendigkeit von göttlichem Beistand kannte schon König David im Alten Testament. Im Neuen Testament hören wir dies auch von den Jüngern Jesu, z.B. als sie nach der Himmelfahrt alleine zurückblieben und auf einen Neustart warteten. Auch Christen der nachfolgenden Generationen kennen das Bedürfnis, Gott zu danken oder in größter Not, Gott um Hilfe und um seinen guten Geist zu bitten.
Das wunderbare Kirchenlied „O komm, Du Geist der Wahrheit“ handelt genau davon. Es stammt aus der Feder des lutherischen Theologen und Dichters Carl Johann Philipp Spitta, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Niedersachsen wirkte.
Dort heißt es in der ersten Strophe:
„O komm, du Geist der Wahrheit,
und kehre bei uns ein,
verbreite Licht und Klarheit,
verbanne Trug und Schein.“
Wir Christen hier in Lützelsachsen wären sich dankbar und froh, wenn wir den Heiligen Geist an unserer Seite wüssten. Ganz besonders jetzt in ungewissen Zeiten. Bitten wir Gott um seinen Beistand und um den Heiligen Geist für die nun anstehenden Veränderungen. So kann diese Zwischenzeit zu einer fruchtbaren Phase zwischen zwei definierten Zeitpunkten werden –„Exaudi – Gott erhöre uns“. Amen

