Sehnsucht und neues Leben

Wochenandacht ab Ostersonntag, 12. April 2020

Kirche Lützelsachsen Altar

Quelle: Beate Preuss

Liebe Gemeinde!

In diesen Tagen lässt uns die Sehnsucht zum Hörer greifen. Manchmal kommt der Akku kaum mit Aufladen nach, wenn einer aus unserer Familie bei Großeltern oder Freunden anruft. Klar, besuchen das geht gerade nicht.

Im Gespräch mit meiner Frau ist mir aufgegangen, dass es Petrus ganz ähnlich geht. Der kann sich nämlich Jesus nicht nähern, weil er sich sonst in Gefahr begibt. Jesus hat natürlich kein Virus, sondern ist wegen Gotteslästerung und als Unruhestifter verhaftet und darum dem Todesurteil ganz nah. Petrus kann ihm nicht nahe sein und ihn auch nicht befreien. Und um sein eigenes Leben zu retten, verleugnet Petrus seinen besten Freund. Das tut richtig weh.

Das Evangelium für Ostersonntag steht bei Markus im letzten Kapitel. Jesus ist schon bestattet. Und drei Frauen nähern sich dem Grab mit wohlriechenden Ölen. Ich stell mir vor, dass die Öle wunderbar und herrlich duften.

Ich weiß nicht, ob Sie sich gern die Hände eincremen. Mir geht es so, wenn ich ganz trockene Hände oder nach dem Wandern trockene Füße habe. Dann ist es mir eine Wohltat, wenn ich sie eincremen kann und vor allem Zeit habe, alles einwirken zu lassen. Einfach so auf dem Bett liegen und genießen, dass alles richtig gut durchtränkt ist – mit allem Guten, was die gute alte Haut braucht.

Die drei Frauen, das sind Maria Magdalena, Maria, die Mutter von Jakobus, und Salome. Sie wollen den toten Jesus salben. So können sie Jesus nahe sein, ihn berühren und begreifen, dass er mit ihnen viele schöne Momente gelebt hat. Ich stell mir vor, wie sehr sie sich nach Jesus sehnen.

Bei Sonnenaufgang kommen sie zum Grab und fragen sich: „Wer wälzt uns den Stein weg?“ Und im nächsten Moment nehmen sie wahr, dass der Stein sie nicht mehr von Jesus trennt. Sie gehen in die Grabhöhle hinein und erschrecken. Denn dort sitzt ein junger Mann und sagt: „Jesus ist auferstanden.“

Da bekommen die Frauen Angst und wissen nicht mehr wohin mit ihrer Trauer und ihrer Sehnsucht. Denn nun überwiegt ihre Sorge, wie das Leben ohne Jesus weitergehen soll. Keine Berührung ist mehr möglich. Sie können nichts mehr für ihn tun, nicht mehr etwas Gutes tun.

Der Bote sagt: „Seid nicht entgeistert. Der Gekreuzigte ist auferstanden.“ Und er will ihnen mit seinen Worten auch Schwung und Richtung geben: „Sagt den Jüngern samt Petrus: Jesus geht vor euch nach Galiläa. Dort werdet ihr ihn sehen.“

Die Frauen und die Jünger sollen den Ort verlassen, der an den schmerzhaften Verlust erinnert. Doch die fliehen zittrig und entsetzt vom Grab. Niemandem sagen sie etwas. So geschockt sind sie. Das müssen sie erst mal sacken lassen. Erst als die Angst bildlich im Sack ist, beginnt etwas neues.

Maria Magdalena, die Jesus von sieben irrlichternden Geistern geheilt hat, hat sich als erste gefangen. Sie ist als erste nicht mehr entgeistert, sondern von einem neuen Geist erfüllt. Sie hat plötzlich österlichen Schwung und Ziel.

Sie verkündet es den Jüngern und anderen Frauen: „Jesus ist auferstanden.“ Erst konnten sie es nicht glauben. Doch dann haben sie vorsichtig und voller Sehnsucht ihren Fuß wieder vor die Tür gesetzt, haben sich getraut rauszugehen in ein neues Leben. Denn sie wussten: Auch wenn wir Jesus nicht sehen, werden wir mit ihm leben. Der Herr ist nahe. Anders als vorher, aber doch. Er hat den Tod durchbrochen und geht uns voraus. Kein Weg ist so einsam, dass ihn Jesus nicht schon gegangen ist.

Diese Sehnsucht beschreibt die Arie „Saget, saget mir geschwinde“ (Maria Magdalena; Alt-Arie Nr. 9 in A-Dur) aus J.S. Bachs Oster-Oratorium (BWV 249 „Kommt eilet und laufet“), die Eva und Hans Jochen Braunstein eingespielt haben:

Eva Braunstein (Gesang), Hans Jochen Braunstein (Flügel)

Quelle: J.S. Bach/E. und J. Braunstein

Saget, saget mir geschwinde, / Saget, wo ich Jesum finde, / Welchen meine Seele liebt. / Komm doch, komm, umfasse mich, / Denn mein Herz ist ohne dich / Ganz verwaiset und betrübt.

Auch auf diesem Weg: Frohe Ostern!

Ihr Jan Rohland

Segen

Der Gott des Lebens
lasse sein Licht aufgehen über uns.
Er lasse uns die Wärme seiner Liebe spüren
und erkennen seine Güte.
Er lasse uns wieder Kraft finden und aufstehen,
wenn wir bedrückt sind.
So segne uns der dreiinige Gott.

Osterwitze
Zwei Osterwitze möchte ich Ihnen unbedingt dazu schreiben, einen für Kinder, einen für Erwachsene:
 
Oma hört, wie Tim am Abend betet: „Müde bin ich, Känguru …“ Da sagt sie: „Aber Tim, das heißt doch: Müde bin ich, geh zur Ruh‘ …“ „Ach so“, sagt Tim. „Aber was ist eigentlich ein Gezuru?“

„Glauben Sie an eine Auferstehung nach dem Tod?“, fragt der Chef. „Ich … ich weiß nicht“, stammelt der junge Angestellte verlegen, „warum wollen Sie das denn wissen?“ „Weil Ihr Großvater, zu dessen Beerdigung Sie gestern frei bekommen haben, Sie am Telefon verlangt.“