Passionsandachten 2020

Liebe Gemeinde,

wir laden Sie in dieser Woche zu den Passionsandachten ein, die ökumenisch seit vielen Jahren gemeinsam von Mitgliedern der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden in Lützelsachsen vorbereitet werden. Dieses Jahr ist alles anders und doch auch nicht – wie jedes Jahr sind die 7 Stationen des Ökumenischen Kreuzwegs der Jugend die zum gemeinsamen apostolischen Glaubensbekenntnis gehören die Grundlage – dieses Jahr können Sie an den virtuellen Andachten teilnehmen.

Zum Kreuzweg

Am Anfang erzählt die Bibel vom Sinn der Erschaffung der Welt. Gott schenkt dem Menschen etwas, das ihn und jeden Menschen einzigartig macht: Gott erschafft den Menschen nach seinem Bild. Er schenkt ihm sein Wesen, die Würde, ein Abbild Gottes zu sein. In der altgriechischen Sprache der Bibel heißt Bild eikon (gesprochen „ey-kon“).

Ebenbild sein zu dürfen, ist ein Geschenk aus Liebe. Und Gott gibt jedem Menschen, den Auftrag und das Vertrauen mit auf den Weg, dem gerecht zu werden: „Mach etwas daraus, sei wie ich, sei schöpferisch, übernimm Verantwortung für das Leben und bleib in meiner Liebe.“

Jesus gibt sich Gott hin und vertraut sich seiner Liebe völlig an. Und er trägt sie weiter zu den Menschen, in seinen Worten, durch seine Barmherzigkeit, aus seiner Güte. So sehr, dass er schließlich das Kreuz auf sich nimmt, um bis in den Tod einzustehen für seine Liebe. Jesus ist das Selbstbildnis Gottes, sein „Selfie“. Er ist das wahre Abbild, eikon. Gott lernt man durch Jesus kennen – im Nachdenken, wie er gelebt hat.

Weil Jesus diesen Kreuzweg ging, folgen die Stationen des Ökumenische Jugendkreuzwegs ICON dem Glaubensbekenntnis genau durch diese Stationen: „Gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben. Hinabgestiegen in das Reich der Toten, am dritten Tage auferstanden von den Toten.“ Weil Jesus bis ins Reich des Todes hinabstieg, um uns mit herauszunehmen aus diesem Reich, können wir am Ende des Glaubensbekenntnisses miteinander sprechen: „Ich glaube an das ewige Leben. Amen.“

Der Jugendkreuzweg zeigt Ikonen. Das sind Bilder, die man auf den ersten Blick erkennt. Ikonen werden besonders von unseren christlich-orthodoxen Geschwistern verehrt. Sie zeigen im Mittelpunkt immer eine bestimmte Person der Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen. Vor allem sind dies Jesus Christus oder Maria, die Mutter Gottes.

Die Ikonen dieses Kreuzweges aus der Gemeinde St. Hubertus in Dresden sind etwas Besonderes: Sie zeigen Stationen des Kreuzweges Jesu – sehr ungewöhnlich für Ikonen. Trotzdem ist auch hier der Hintergrund goldfarben: Selbst diese schrecklichen Leiden sind in das Licht der Auferstehung und des Lebens getaucht. Auch hier ist Gott.

Auf Englisch heißt Ikone Icon. Icons kennen wir auch als grafische Symbole, als Emojis oder Piktogramme, die auf dem Smartphone oder dem Computer und an vielen Orten und auf Schildern in unserer Welt zu finden sind. Sie dienen der Kommunikation und geben z. B. eine Information oder einen Hinweis und sind an jeden gerichtet. Sie sind auf das Wesentliche reduziert. In diesem Punkt berühren sich Ikonen und Icons: Es geht um die Botschaft, die aus ihnen spricht, um die Wirklichkeit, die hinter beiden liegt und uns erreichen soll.