10. Männerbegegnung - in Schönfeld

- 06.02.2013 - 

"Brücken bauen - Unser polnischer Nachbar im Alltag" - Oktober 2011

Pünktlich und erwartungsfroh haben sich am 27. 11. 2011 dreizehn Männer der evangelischen Kirchengemeinde in Lützelsachsen auf dem Bahnhof in Weinheim eingefunden. Sie starteten zu einem viertägigen Treffen mit Männern aus der Partnergemeinde Schönfeld in der Uckermark. Trotz einiger Verspätungen haben wir letztlich pünktlich Prenzlau erreicht.
Dort wurden wir von unseren Gastgebern aus den verschiedenen Gemeinden des Pfarrsprengels Schönfeld abgeholt. Mit vielen Gemeindegliedern verbindet uns eine rund 20 jährige Bekanntschaft, bzw. Freundschaft. Entsprechend herzlich war der Empfang.
Am Abend gab es bereits den ersten Höhepunkt unserer Begegnung. Herr Prof. Rudolf von Thadden las im vollbesetzten Saal des evangelischen Jugendhauses in Klockow aus seinem Buch: "Trieglaff. Eine pommersche Lebenswelt zwischen Kirche und Politik, 1807 - 1948". Der Reformeifer der von Thaddens galt der Kirche. Von der Erweckungsbewegung mit Hausandachten ab 1820, über den Austritt aus der preußischen Landeskirche 1848 und der Hinwendung zu den Altlutheranern, bis zur Schaffung eines Zentrums der bekenntnistreuen Christen, der Unterzeichnung der "Barmer Erklärung" und dem Beitritt zur "Bekennenden Kirche" im Nationalsozialismus führt ein geradliniger Weg: Weg von einer Kirche die den Interessen des Staates verpflichtet ist und hin zu einem Glauben bei dem das eigene Gewissen gefragt ist.
Am Freitag fuhren wir zunächst nach Ludwigsburg. Dort soll im ehemaligen Gutshaus ein evangelisches Seniorenzentrum entstehen. Das Projekt wird von dem Wunsch getragen, Menschen aus dem Pfarrsprengel, im Alter eine Bleibe in der gewohnten Umgebung zu bieten.
Die nächste Station war die Kirche in Malchow. 2004 durch eine Notsicherung vor dem Verfall gerettet , als Gemeindekirche nicht benötigt, ebnete die Idee, den Internationalen Malchower Kirchenpreis auszuloben und die Kirche mit einem Labyrinthpark zu verbinden, doch den Weg zu ihrer Renovierung, die im nächsten Jahr abgeschlossen werden kann. Der Labyrinthpark wird bis zur Landesgartenschau in Prenzlau 2013 fertig werden. Er soll ein Erlebnis für Jung und Alt sein und sowohl Freude, als auch nachdenklich machen. Wir waren tief beeindruckt von dem Elan, der Kreativität und der Zuversicht mit der in diesem Pfarrsprengel in den letzten 20 Jahren zu Werke gegangen wurde und was in dieser Zeit alles geleistet worden ist.
Am Nachmittag starteten wir mit einem Bus nach Külz-Kulice, das etwa 65 km nordöstlich von Stettin im ehemaligen Hinterpommern liegt. Külz war bis 1945 im Besitz der Familie von Bismarck. 1994/95 gründete Philipp v. Bismarck die polnische "Stiftung Europäische Akademie Külz-Kulice", die das Gutshaus sanierte, es in ein modernes Tagungszentrum umbaute und heute noch betreut, nachdem es der Stettiner Universität geschenkt wurde.
Am Samstag fuhren wir in das ungefähr 100 km östlich von Külz gelegene Szeczinek /Neustettin. Hier hat uns eine Deutschlehrerin geführt, die auch im Stadtrat ist. Neustettin hat heute etwa 40 000 Einwohner. Das größte Unternehmen am Ort ist ein Österreichischer Holzverarbeitungsbetrieb. Beeindruckt hat uns, dass man in der Stadt die deutsche Vergangenheit nicht mehr vollständig verdrängt. So sind im Ratssaal jetzt wieder die Glasfenster mit deutschen Texten zu sehen.. Man möchte mit diesen Gesten die Annäherung zwischen Deutschen und Polen fördern. Der Bürgermeister ist Chefchirurg am ortsansässigen, privatisierten Krankenhaus. Es gibt in der Stadt nur noch einen kommunalen Betrieb, alle anderen wurden privatisiert. Der Bürgermeister möchte für die Bürger eine Wohlfühlstadt schaffen. Es ist beeindruckend, mit welchem Elan und welcher Modernität die Bürger und die Stadtverwaltung versuchen, die Zukunft zu gestalten.
Nach einer weiteren Übernachtung in Külz fuhren wir am Sonntagmorgen zu dem westlich der Oder, aber noch in Polen gelegenen, ehemaligen Gut der Familie Schlange - Schöningen in Kamieniec/ Schöningen (Kreis Pölitz). Das Gutshaus hat der in Pölitz geborene und zuletzt in Hamburg lebende Prof. E. Maronn vor ein paar Jahren gekauft und es zu seiner neuen Heimat gemacht. Am Abend dieses ereignisreichen Tages gab es noch einen musikalischen Höhepunkt. Der Kammerchor Prenzlau, das Vokalquartett FOuR Music und das Streichquintett des Preußischen Kammerorchesters sangen und musizierten geistliche und weltliche Chormusik von Orlando di Lasso`s Jubilate Deo bis zu Kurt Bestor`s Prayer of the Children. Es war ein wunderbares Erlebnis. Am Reformationstag feierten wir Gottesdienst mit Chor und Bläsern in der Kirche in Klockow. Herr Pfarrer Friedrich predigte. Er stellte in zwei Geschichten Elia und Luther gegenüber.